Solidarität ist ein oft bemühter Begriff in der Diskussion um die Unterbringung von Asylsuchenden im Aargau. Der Gemeinde Oberwil-Lieli wird unsolidarisches Verhalten vorgeworfen, wenn sie sich von der gesetzlichen Aufnahmepflicht freikauft, statt sich wie andere redlich um geeignete Plätze zu bemühen.

Ein neues Konzept soll die Situationentschärfen: Für die Unterbringung der Asylsuchenden im laufenden Verfahren oder mit negativem Entscheid wird inskünftig allein der Kanton zuständig sein und dafür Grossunterkünfte mit 150, 200 oder mehr Plätzen einrichten. Nur wo? Und welche Solidarität soll man bei der Standortsuche noch einfordern? Vielleicht ein gutes Dutzend Gemeinden wird ein kantonales Asylzentrum beherbergen müssen. Widerstand dürfte programmiert sein, wenn es konkret wird. Und dann wird man weder beim Kanton noch in den 200 Gemeinden, an denen der Kelch vorbeigeht, die Solidaritäts-Keule schwingen können.

Das mit der Einteilung des Kantons in vier Asylregionen weiter konkretisierte Konzept für eine «regional ausgewogene Verteilung» scheint durchaus Sinn zu machen. Ob es auch wirklich seinen Zweck erfüllt und sich das Parlament zu Recht dagegen wehrte, konkrete «Asylzonen» in einem kantonalen Verfahren zu bezeichnen? Das werden wir erst sehen, wenn die Liste mit den für den Bau von Grossunterkünften ins Auge gefassten Standorten vorliegt.