Es war eine laue Sommernacht mit Feuerwerk und Flanieren an der Strandpromenade, als der Terror über Nizza hereinbrach. Drei endlos lange Minuten mähte ein labiler, islamistisch unbedarfter Kerl mit einem gemieteten 19-Tönner massenweise Menschen um. 86 Todesopfer waren an jenem 14. Juli 2016 zu beklagen, dazu Hunderte von Verletzten und Traumatisierten.

Ein Jahr später zeigte sich Nizza von einer neuen Seite: Auf drei Kilometern war die «Promenade des Anglais» mit Betonblöcken gesichert. Ein ausgeklügeltes Videosystem sicherte das ganze Stadtzentrum. Aber das einst als «reaktionär» verschriene Nizza igelt sich nicht ein. Bürgermeister Christian Estrosi, früher als Hardliner am rechten Rand der konservativen Republikaner bekannt, zeigt mehr Mitgefühl als Polizeistaat-Denken. Am Freitag zeigte er sich beim interreligiösen Gottesdienst demonstrativ neben Musliminnen mit Kopftuch.

Nizza macht vor, dass die Reaktion auf solche Gewalttaten und Terroranschläge nicht blind sein muss. Die schwer getroffene Stadt hat «durch Leiden gelernt», wie der griechische Dichter Aischylos seinen Bewusstseinsprozess nannte. Nizza liess sich auch nicht zu politischen Kurzschlussreaktionen hinreissen: Vor einigen Wochen sprach sich Estrosi dezidiert gegen die Weiterführung des – juristisch wie politisch umstrittenen – Ausnahmezustandes in Frankreich aus. Die Metropole der Côte d’Azur macht vor, dass es ein Leben nach dem schlimmsten Terror gibt. Nach einem schrecklichen Jahr und der Rückbesinnung am neuen Nationalfeiertag will Nizza endlich wieder nach vorne blicken.