Fritz Honegger (FDP) und Hans Hürlimann (CVP) brachten es am 24. August 1982 über die Parteigrenzen hinweg fertig: Sie traten aus staatspolitischen Überlegungen gemeinsam zurück. Honegger war 65 Jahre alt, Hürlimann 64. Beide wollten eine Erneuerung in der Regierung. Mit seinem Rücktritt per Ende Oktober 2017 will Aussenminister Didier Burkhalter (57) dem Bundesrat ebenfalls frischen Wind ermöglichen, auch politisch im Europadossier. Welche Rolle eine Regierung spiele, hänge von ihrer regelmässigen Erneuerung ab, sagte er.

Der Bundesrat steht vor einem grossen Umbruch. Zwei Mitglieder – Ueli Maurer (66) und Johann Schneider-Ammann (65) haben das Pensionsalter erreicht. Sie werden – wohl mit Doris Leuthard (54), die als Amtsälteste seit 2006 in der Regierung ist – bis Ende Legislatur 2019 ebenfalls den Rücktritt erklären. Die aktuelle Situation bietet Johann Schneider-Ammann ein kurzes Zeitfenster für einen beherzten Schritt mit grosser Wirkung. Tritt er mit Parteikollege Burkhalter ab, vergrössert er den Spielraum exponentiell für die Frage, wie die Regierung zusammengesetzt sein soll in Bezug auf Geschlechter (Frauenfrage), Landesteile (Ostschweiz), Landessprachen (italienisch) und Kantone (Übervertretung Berns). Ganz nebenbei könnte sich seine FDP als staatstragende Partei profilieren und ihre Sitze langfristig sichern. Als Bundespräsident von 2016, der den Schritt der Schweiz ins digitale Zeitalter forciert, könnte Schneider-Ammann, der zunehmend erschöpft wirkt, erhobenen Hauptes abtreten. Und Platz machen für neue Kräfte.

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