«Raus aus der Sackgasse!» Der Titel der Volksinitiative, die den Zuwanderungsartikel vom 9.  Februar 2014 ersatzlos aus der Bundesverfassung streichen will, klingt verheissungsvoll. Nur: Wer glaubt, das Stimmvolk werde seinen damaligen Entscheid bei nächstbester Gelegenheit mir nichts, dir nichts widerrufen, könnte die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Auch wenn 2014 «bloss» 50,3 Prozent der Abstimmenden Ja sagten zur Masseneinwanderungsinitiative der SVP, wäre es ein Fehler, dies als schlichtes Zufallsmehr abzutun.

Das Unbehagen gegenüber der Zuwanderung und der Globalisierung, das manch einer spürt, dürfte seither nicht kleiner geworden sein. Da ähneln sich die Gemütslagen in Grossbritannien und der Schweiz. Und so laufen die Rasa-Initianten, die das Problem mit Brüssel lösen wollen, Gefahr, just dieses massiv zu verschärfen: dann nämlich, wenn ihre Initiative an der Urne scheitert und so der viel gescholtene Artikel 121a der Bundesverfassung zementiert wird.

Die Rasa-Initiative gehört zurückgezogen. Und zwar zugunsten des Gegenvorschlags, den die SP gegenüber der «Nordwestschweiz» erstmals konkret skizziert. Zwar handelt es sich auch dabei um ein «Buebetrickli», weil Artikel 121a nur noch abgeschwächt gälte. Wenn immer es «im Interesse der Beziehungen mit der EU» ist, könnte die Schweiz fortan von Höchstzahlen und Kontingenten abweichen. Doch diese blieben als Option in der Verfassung. Im Idealfall müsste sich der Bundesrat so alle zwölf Monate der Diskussion stellen, mit welchem Instrument er der Zuwanderung begegnen möchte. Dieser Kompromiss zwischen SVP und Rasa-Fantasten ist ein möglicher Weg aus der Sackgasse.