Überdies

Dürrenmatt und die tiefen Flugpreise

Friedrich Dürrenmatt: Der Schriftsteller beklagte schon vor 30 Jahren den ungeheuren Unterschied zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir tun.

Friedrich Dürrenmatt: Der Schriftsteller beklagte schon vor 30 Jahren den ungeheuren Unterschied zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir tun.

Dürrenmatt hatte so was von recht, dachte ich mir bei der sonntäglichen Online-Lektüre einer grossen Schweizer Newsplattform.

Ich scrollte durch die aufgelisteten Artikel: Triftgletscher abgebrochen, Toskana unter Wasser, Hurrikan in Miami, Naturkatastrophen noch und nöcher, und dann unvermittelt ein Text mit dem Titel «Billige Langstreckenflüge».

Da erhalten die Folgen des Klimawandels, den wir mit unserem exzessiven Flugverhalten mitverursachen, endlich mal die mediale Aufmerksamkeit, die ihnen tragischerweise gebührt. Und beim gleichen Durchscrollen muss ich lesen, dass die Flugpreise im Sturzflug sind.

Offenbar macht sich kaum noch einer Gedanken darüber, ob es nicht eigentlich ein ökologisches Schwerstvergehen ist, für wenige hundert Franken Tausende von Meilen um die Welt zu jetten.

Dabei zeigen sich die Konsequenzen unseres Jetsetter-Lifestyles doch gerade dieser Tage überdeutlich. Da wäre es eigentlich angebracht, mal wieder ernsthaft über die Folgen unseres Verhaltens nachzudenken, statt die billigen Flugpreise abzufeiern.

Und was das alles mit Dürrenmatt zu tun hat, fragen Sie? Der Schriftsteller beklagte schon vor 30 Jahren den ungeheuren Unterschied zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir tun.

Dieser Unterschied wächst offenbar disproportional zu den sinkenden Flugpreisen. Dürrenmatt hätte beim sonntäglichen Scrollen wohl laut gelacht.

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