«Du Pussy!» krakeelte ich. Und war sprachlos über mich selbst. Natürlich verdiente er, dass man ihn foppte. Schliesslich war ich gerade in die 13 Grad kalte Aare gesprungen, während er sich immer noch am Ufer herumdrückte, die Arme um seinen nackten Oberkörper geschlungen und mit einem Gesicht wie vierzehn Tage Kohlsuppe-Diät. Doch das weibliche Geschlechtsorgan instrumentalisieren, um meinem Hohn Nachdruck zu verleihen – das war mir peinlich. Denn wer mich kennt, weiss: Machohafte Beleidigungen dulde ich nicht.

Vulgäre Wortbildungen mit «Schwanz» gibt’s kaum

«Modermöse». «Muschilutscher». Von Wörtern, die mit «F» gebildet werden ganz zu schweigen: Wer auf einer deutschsprachigen Schimpfwörter-Website sucht, der findet über 100 Verbalinjurien, die sich eines Ausdrucks für die Intimzone bedienen – die weibliche Intimzone. Vulgäre Wortbildungen mit «Penis» oder «Schwanz» gibt’s hingegen kaum. Geschimpft wird geschlechtsspezifisch. Auch ich mache da offenbar mit.

Klar, fluchen fägt. Kraftausdruck – zack! – Befriedigung. Genitale Schimpfwörter aber, die gefielen mir nie. Nicht weil ich prüde wäre. Doch mit intimen Zonen verbinde ich Schönes. Warum also Ausdrücke des Sexuellen benutzen, wenn ich andere doch eigentlich herabsetzen will? Sie diskreditieren nicht nur jene, gegen die sie sich richten. Sondern diskriminieren auch das, worauf sie sich beziehen. Wie wir sprechen, prägt unsere Sicht auf die Welt. Und fluchen wir sexistisch, verfestigen wir frauenfeindliche Strukturen.

«Nenn mich doch einfach Schnäbi»

Der wasserscheue Mann am Ufer der Aare reagierte gelassen. «Nenn mich doch einfach Schnäbi», sagte er, sichtlich über meine schlampige (woher kommt jetzt dieser Ausdruck schon wieder?!) Wortwahl amüsiert. Schnäbi reagierten schliesslich auf Kälte äusserst empfindlich. Recht hatte er. Doch weil ich Schnäbi genauso mag wie Pussys, will ich nun beide Wörter aus meinem Wortschatz streichen. Aus meinem Schimpfwörter-Wortschatz. Denn liebevoll, sexy und frivol werde ich sie selbstverständlich auch weiterhin benutzen.