Bundespräsidentin Doris Leuthard wusste die Frage charmant wegzulächeln: Kein Interview in den letzten Jahren verging, ohne dass sie zum Schluss nach ihren Rücktrittsabsichten gefragt worden wäre. Die Antwort war stets absehbar, konkret wurde Leuthard nie. Der Zeitpunkt des Rücktritts ist eine der wenigen Entscheide, die Bundesräte ganz für sich fällen.

Dass Leuthard spätestens Ende 2019 geht, kommt dennoch nicht überraschend. Sie ist seit elf Jahren Mitglied der Landesregierung und damit die amtsälteste Bundesrätin. Dass die Frage nach dem Rücktritt immer öfter gestellt wurde, hat zwei Gründe. Einerseits ist die Meinung weitverbreitet (vor allem in den Parteien), dass drei Legislaturperioden genug sind. Andererseits hat Leuthard viele wichtige Projekte abgeschlossen: Darunter die erste Etappe der Energiestrategie und die Schaffung je eines Fonds zur Finanzierung der Bahn- und Strasseninfrastruktur.

Es gebe in ihrem Departement noch viel zu tun, sagte die CVP-Magistratin, als sie ihren absehbaren Rücktritt in einem Interview bekannt gab. Das stimmt. Sie hat beispielsweise mit der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens noch einen harten politischen Kampf vor sich. Gut möglich, dass der Abgang also eher 2019 als - wie schon so oft kolportiert - nach ihrem Präsidialjahr 2017 erfolgen wird. Leuthard lässt sich mit ihrer vagen Ankündigung alles offen. Amtsmüde wirkt sie ohnehin schon länger nicht mehr.

Natürlich stellt sich die Frage, wie Leuthard die Wahl um die Nachfolge von Didier Burkhalter beeinflusst. Schliesslich denken gute Parteistrategen schon immer an die nächste Wahl. Die Frauenfrage wird sicher noch intensiver diskutiert werden. Denn das Szenario, dass Simonetta Sommaruga Ende 2019 die einzige Frau im Bundesrat sein wird, ist reell. Die Papabili der CVP sind allesamt Männer und der Kronfavorit bei der Burkhalter-Nachfolge heisst Ignazio Cassis. Allerdings bahnen sich zwei weitere Abgänge Ende der Legislatur an. Diejenigen von Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer. In beiden Fällen könnten Frauen nachrücken. Die Tessiner hingegen haben in nächster Zeit nur einen Penalty: Am 20. September, wenn die Bundesversammlung den Nachfolger des Romands Burkhalter wählt.