Am Mittwochmorgen vor dem Fernseher, kurz nach 8 Uhr. Warum gibt diese unverbraucht wirkende Freiämterin eigentlich ihren Rücktritt als Bundesrätin? Nach 12 Jahren und mit erst 55? Weil sie seit Jahren immer wieder danach gefragt wurde? Karin Keller-Sutter hat denselben Jahrgang wie Doris Leuthard und beginnt eben erst. Viola Amherd ist sogar noch ein Jahr älter. Leuthards freisinnige Aargauer Vorgänger Frey-Herosé, Welti und Schulthess blieben zwischen 18 und 24 Jahre im Amt.

Rekordhalter im 20. Jahrhundert war der Tessiner Giuseppe Motta mit 28 Amtsjahren (gleich lang war übrigens Arthur Schmid aargauischer Regierungsrat). Liegt darin vielleicht auch ein gewichtiger Unterschied zwischen Frauen und Männern: dass sich Frauen nicht über Jahrzehnte für unersetzlich halten? Wir wünschen der rüstigen Jungrentnerin aus Merenschwand jedenfalls alles erdenklich Gute. Und dem Aargau wünschen wir, dass er die kommenden Jahre ohne Bundesratsmitglied trotzdem mit erhobenem Haupt absolviert.

Und auch das hat diese Woche im Aargau noch für Schlagzeilen gesorgt: Die Regierung will mit einem Verkehrskonzept für den Ostaargau mit den Hotspots Baden-Wettingen und Brugg-Windisch «die Weichen für die Mobilität von morgen stellen». Rund eine halbe Milliarde Franken sollen dafür in den nächsten 20 Jahren verbaut werden. Als Bewohner von Baden reagiere ich leicht irritiert: Haben wir, das heisst Stadt und Kanton, nicht eben 100 Millionen für einen «neuen» Schulhausplatz (für Nicht-Badener: die meistbefahrene Kreuzung im Kanton) ausgegeben?

War dieses Geld zum Fenster hinausgeworfen, wenn in den nächsten zwei Jahrzehnten derartige Summen nachgeschossen werden sollen? Ist im gebeutelten Kanton wirklich Geld vorhanden für einen neuen Tunnel durch Martins- und Kreuzliberg? Und für eine neue Brücke vom Schlachthof zum Friedhof (hoffentlich ist die Linienführung nicht symbolträchtig)?

Über die Hochbrücke sollen künftig keine Autos mehr fahren, es braucht Platz für die Limmattalbahn. Am 16. August 2018 hat die Bevölkerung zum ersten Mal erfahren, dass dieses Zürcher Tram bis nach Baden verlängert werden könnte. Am 23. September hätte das Zürcher Volk die Verlängerung in den Aargau auch killen können, was es zum Glück nicht tat. Und Anfang Dezember weiss man in Aarau bereits, dass deshalb die Region Baden-Wettingen umgebaut und eine neue Autobrücke errichtet werden muss. Okay, wir haben uns schon oft über langsame Verkehrsplanungsrhythmen beklagt. Aber das geht nun doch etwas gar ruckzuck.

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik.
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