Es gab eine Zeit, da sassen fast nur Juristen im Bundesrat. Hiess es wenigstens im Volksmund. Anzahl Juristen mal zwei Meinungen ergab ziemlich viele Meinungen. Aber seit einigen Jahren gehören die Rechtsgelehrten zur aussterbenden Spezies im Regierungszimmer im Bundeshaus. Schon 2010 schlug die «NZZ» Alarm: «Dem Bundesrat gehen die Juristen aus.» Das war noch ein Klagen auf hohem Niveau. Drei Juristen sassen da noch im Gremium. Jetzt droht tatsächlich ein juristenloser Bundesrat. Doris Leuthard ist derzeit die einzige Rechtsgelehrte im Gremium, und sie hört per Ende Jahr auf.

Karin Keller-Sutter, gelernte Dolmetscherin, gilt als gesetzt für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann. Auch ihre Gegenkandidaten Hans Wicki und Christian Amsler sind keine Juristen.

Derzeitiger Favorit bei der CVP scheint Peter Hegglin zu sein: Er ist Bauer. Wie Guy Parmelin. Selbst wenn Gerhard Pfister, wie einige derzeit immer noch träumen, am 5. Dezember in die Kränze kommen sollte: Er ist nicht Jurist, sondern Lehrer für Literatur und Philosophie.

Leuthard, die letzte Mohikanerin? Das sei übel, wenn im Bundesrat niemand mehr sitze, der eine juristische Ausbildung habe, warnen einige. Die Verwaltung mit all ihren Juristen habe dann noch mehr Einfluss auf die Regierung, heisst es etwa.

Dolmetscher, Bauern oder Lehrer statt Juristen? Die Hoffnung der Juristen-Fraktion ruht jetzt ausgerechnet noch auf zwei Frauen. Elisabeth Schneider-Schneiter ist vom Fach. Und wenn Viola Amherd ebenfalls antritt, stehen immerhin noch zwei Juristinnen zur Auswahl.