Kommentar

Doppelmandat Grossrat und Gemeinderat: Die Wähler doppelt überzeugen

36 Grossräte sind gleichzeitig auch Gemeinderäte.

36 Grossräte sind gleichzeitig auch Gemeinderäte.

Wer in den Grossen Rat gewählt wird, legt bei der Inpflichtnahme dieses Gelöbnis ab: «Ich gelobe, als Mitglied des Grossen Rates meine Verantwortung gegenüber Mensch, Gemeinschaft und Umwelt wahrzunehmen, die Wohlfahrt des Kantons Aargau zu fördern und der Verfassung und den Gesetzen gemäss nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.»

Nimmt man das wörtlich, stehen die Interessen des Kantons ganz oben. Wenn im Parlament entschieden wird, wie viel Geld der Aargau für Coronahilfen ausgibt, wo eine neue Kantonsschule gebaut wird, was das Staatspersonal verdient oder ob Ölheizungen verboten werden, sollen alle Ratsmitglieder ausschliesslich zum Wohl des Kantons abstimmen.

Das passiert allerdings selten, denn Politiker bewegen sich nicht in einer Blase ohne äussere Einflüsse. Im Grossen Rat gibt es Sparfüchse, scharfe Sozialpolitikerinnen, Kämpfer für Artenvielfalt, Gesundheitsexpertinnen – und 36 Vertreterinnen und Vertreter, die auch in Gemeinderäten sitzen. Sie haben viel Erfahrung, ein breites Netzwerk, kennen die politischen Abläufe und nehmen Einfluss.

Gemeindepolitiker sind eine starke Lobby, mehr als jeder vierte Grossrat zählt dazu. Das sind viele, doch sie haben ein starkes Argument: Für beide Ämter brauchen sie Unterstützung der Bevölkerung. Wer es in den Gemeinderat und ins Kantonsparlament schafft, hat die Wählerschaft gleich auf zwei Ebenen überzeugt.

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