Vor der Generalschelte die Individualbeichte: Ja, auch ich habe das Wort «digital» und «Digitalisierung» wahrscheinlich bereits verwendet, ohne genau anzugeben, was ich damit meinte.

Heute reden alle von der «Digitalisierung». Unsere deutschen Nachbarn denken gar darüber nach, ob man dafür nicht ein eigenes Ministerium brauche, für die Businessmen ist das D-Ding sowieso Chefsache.

Fragt man Leute, was «digital» eigentlich bedeute, dürfte man zur Antwort kriegen: «Dass immer mehr mit Computern gemacht wird.» Computer rechnen mit 0 und 1, das wissen mittlerweile bereits die Kindergärtler. Wenn immer mehr Dinge von Computern erledigt werden, wird die Welt dann am Ende auf 0 und 1 reduziert? Oder war und ist sie schon immer so gewesen – nämlich diskret – und unsere «analoge» Wahrnehmung gaukelt uns da etwas vor?

Überraschenderweise arbeiten unsere Gehirne in einem Mischmasch-Modus. Beim Sehen nehmen wir ein kontinuierliches Bild wahr, aber die Sehstäbchen der Retina reagieren auf einzelne Impulse. Unsere Wahrnehmung ist deshalb auch gepixelt. Die Signalverarbeitung ist dann wieder «analog», weil Reize eine gewisse Schwelle überschreiten müssen, damit das Neuron «feuert» und ein Signal weitergibt. Besteht die Welt jetzt aus Schlamm oder aus Sand?