Seit einem Jahr lebt die Familie Mehar in der Schweiz. Mutter Nazia lädt die Dorfbevölkerung hin und wieder zum pakistanischen Mittagessen ein, ihre drei Kinder – sie sprechen bereits Deutsch – gehen hier in die Schule und in den Sportverein, haben Freundschaften geschlossen und sind bestens integriert. Trotzdem müssen sie die Schweiz bis Ende Monat wieder verlassen – ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Dieser Entscheid – auch wenn juristisch begründet – ist in mehrfacher Hinsicht stossend.

Erstens fragt man sich nicht zum ersten Mal: Weshalb dauern Asylverfahren so lange? Wenn der Fall doch so klar ist, weshalb haben die Behörden den Antrag nicht innerhalb weniger Wochen abgelehnt? Jetzt die vorbildlich integrierte Familie, allen voran die Kinder, aus ihrem vertrauen Umfeld herauszureissen und in eine mehr als ungewisse Zukunft zu schicken, ist einfach nur grausam. Stossend ist weiter der Umstand, dass sich vorwiegend junge Männer aus Nordafrika oft irgendwie durchs Asylverfahren mogeln oder nach einem negativen Asylentscheid untertauchen, während der negative Asyl-Entscheid Nazia Mehar und ihre Kinder mit voller Härte trifft.

Apropos junge Männer: Viele Eritreer werden in der Schweiz vorläufig aufgenommen, weil sie den Wehrdienst verweigert haben und ihnen bei Rückkehr offenbar eine drakonische Strafe droht. Ist eine Mutter, die mit ihren Kindern die Flucht ergreift, weniger schutzbedürftig als ein Wehrdienstverweigerer? Zurück bleiben das Gefühl von Ohmacht und die Erkenntnis, dass es wieder einmal die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft trifft.