Wir wollen hier nicht die Kontroverse neu aufrollen, ob es in einem viersprachigen Land richtig ist, dass der Aargau in der Schule Englisch als erste und Französisch erst als zweite Fremdsprache einführt. Entscheidend ist, dass die Kinder am Ende der obligatorischen Schulzeit in beiden Sprachen vergleichbar gute Kenntnisse haben. Doch besteht diese Chance wirklich, wenn sie heute die erste Fremdsprache ab der dritten, die zweite aber erst ab der sechsten Klasse lernen?

Die Chance, in Französisch auf ein ähnliches Niveau wie bei der Weltsprache Englisch zu kommen, steigt mit dem Beschluss, Französisch künftig schon ab der fünften Primarklasse zu unterrichten. Das ist dem Grossen Rat und der Regierung trotz anhaltender Sparbemühungen drei Millionen Franken jährlich wert. Chapeau.

In einem viersprachigen Land ist es unabdingbar, frühzeitig eine zweite Landessprache zu erlernen. Damit kommt man auch mit einer anderen Kultur sowie ihrer Denk- und Lebensweise in Kontakt. Das ist genauso wichtig wie die Sprache selbst – erst Recht in einer Willensnation wie der Schweiz. Zudem: Der französischsprachige Landesteil ist eine Autostunde entfernt.

Dass sich der Aargau jetzt hier den anderen Kantonen angleicht, ist auch der hohen Mobilität der Bevölkerung geschuldet. So haben Kinder eine deutlich bessere Chance, nach einem Kantonswechsel in der neuen Schule auf einem vergleichbaren Sprachenniveau einsteigen zu können. Auch deswegen ist der Entscheid des Grossen Rates richtig.

mathias.kueng@azmedien.ch