Keine Schule ist verpflichtet, Klassenlager durchzuführen. Es ist genau umgekehrt: Klassenlager sind eine Dienstleistung, die viele Schulen ihren Schülerinnen und Schülern anbieten. Lehrpersonen, unterstützt von schlecht oder gar nicht bezahlten Begleitpersonen, investieren viel Zeit und Leidenschaft und verlassen das sichere Schulzimmer, um an einem neuen Ort mit ihrer Klasse eine Woche lang zu leben. Eine anspruchsvolle Aufgabe, unbestritten von hohem pädagogischem Wert. Kein Wunder, gehört die Erinnerung ans Klassenlager meist auch zu dem, was ein Leben lang haften bleibt, nach einigen tausend gewöhnlichen Unterrichtsstunden im Schulzimmer.

Doch die Dienstleistung «Klassenlager» ist kompliziert geworden. Heterogene Klassen, das Integrieren unterschiedlicher kultureller Hintergründe, die Rücksicht auf individuelle Befindlichkeiten zwischen Glutenallergie und Spinnenphobie, schwierige Eltern und ständig neue Sicherheitsvorschriften drücken auf die Begeisterung der organisierenden Lehrpersonen.

Da ist es kein besonders motivierendes Signal, das jetzt das Bundesgericht schickt: Der Elternbeitrag für eine Woche Klassenlager darf 80 Franken nicht überschreiten. Damit haben die Schulen drei Möglichkeiten: Entweder die Lager finden nur noch im Zelt statt. Oder die Schule organisiert die fehlenden Finanzen.

Bleibt noch die dritte Möglichkeit: Die Schulen entschliessen sich, künftig auf die Dienstleistung «Klassenlager» zu verzichten. Was bedauerlich, aber auch verständlich wäre.