Wenn Deutschland hustet, liegt die Schweiz bereits mit Fieber im Bett. Die starke Verflechtung der hiesigen Wirtschaft mit der EU und insbesondere mit dem mächtigen nördlichen Nachbarland ist ein unumstössliches Faktum.

Jeder dritte Arbeitsplatz in der Schweiz hängt direkt von den Exporten in die EU ab. Trotzdem zeigt sich die hiesige Wirtschaft bislang relativ resistent gegenüber der starken Konjunktureintrübung in der EU. Während die deutsche Wirtschaft seit zwei Quartalen schrumpft, ist die Schweizer Wirtschaft immer noch im Wachstumsmodus. Noch vor zwanzig Jahren war das Muster umgekehrt.

Die Änderung hat vor allem einen Grund: Die Bedeutung der Pharmaindustrie ist massiv gewachsen. Das poliert die Statistik über die wirtschaftliche Leistungskraft unseres Landes kräftig auf. Doch die Pharmafirmen beschäftigen in der Schweiz nur rund 45 000 Personen.

Die Beschäftigung der klassischen Industrie ist etwa siebenmal höher, aber mit einem deutlich geringeren Einfluss auf die Schweizer Wirtschaftsleistung (BIP). Deshalb kann die Schweiz auch dann noch positive Wachstumsraten ausweisen, wenn die Industrie leidet.

Aber Vorsicht: Verlieren in der Industrie zu viele Leute ihren Job, schlägt dies auf die Stimmung der Konsumenten. Dann wird gespart und plötzlich leiden alle – der Handel, der Tourismus und das lokale Gewerbe. Scheinbar günstige BIP-Prognosen sind deshalb kein Grund zur Beruhigung.

Das sollte sich auch das Seco hinter die Ohren schreiben, wo man die schlechten Nachrichten aus der deutschen Automobilindustrie noch ziemlich gelassen zu nehmen scheint.