Post

Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post

Am Samstag gab Adriano Vassalli seinen Rücktritt als Vize-Präsident der Post bekannt. Politiker fordern den Abgang von weiteren Verwaltungsräten – auch von Präsident Urs Schwaller.

Nach massivem Druck tritt Post-Vizepräsident Adriano Vassalli zurück. Der Schritt war unausweichlich und somit richtig. Zwar muss heute offengelassen werden, was er genau zu welchem Zeitpunkt wusste. Doch als Präsident des Prüfausschusses des Post-Verwaltungsrats steht er in der Verantwortung – unabhängig von seinem genauen Wissensstand. Weshalb Bundesrätin Doris Leuthard zu einem anderen Schluss gekommen ist, bleibt vorerst ihr Geheimnis.

Derweil reissen die Rücktrittsforderungen nicht ab. Sie sind auch an die Adresse von Post-Präsident Urs Schwaller selbst gerichtet, der noch vor einer Woche für die Aufarbeitung des Postauto-Skandals gelobt wurde.

Schwaller hat sich die Rücktrittsforderungen jedoch auch selber eingebrockt. Über ein Drittel des Untersuchungsberichts der Kanzlei Kellerhals Carrard werden von ihm unter Verschluss gehalten, da die Untersuchung des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) noch läuft. Und doch sickern nun laufend Aus- züge daraus an die Öffentlichkeit.

Klar: Der Post-Präsident stand letztlich vor der Wahl zwischen Pest und Cholera. Hätte er den Bericht von Kellerhals Carrard erst zusammen mit den Erkenntnissen des Fedpol publiziert, hätte er den viel zitierten Neuanfang bei der Post stark hinausgezögert. Mit seinem gewählten Vorgehen muss er nun aber damit leben, dass Medien nun immer neue Details zutage fördern. Und damit werden Spekulationen und Rücktrittsforderungen – auch an ihn selber – nicht abreissen.

andreas.moeckli@azmedien.ch

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