Wolodimir Selenskis Wahlsieg symbolisiert einen Mut zum Aufbruch, den die Ukraine zum letzten Mal in der Maidan-Revolution von 2014 gesehen hat. Und erneut wurde er von den Jungen herbeigeführt, hat jedoch das ganze Land ergriffen, alle Regionen von der russisch-sprachigen Ostukraine bis zur ukrainisch-sprachigen Westukraine. Vereinigt hat Selenskis Wähler die Hoffnung. Die Hoffnung auf bessere Zeiten, auf Politiker als Diener des Volkes.

Petro Poroschenko war mit der Angst vor Russland auf Stimmenfang gegangen, gegen das er eine moderne Armee aufgebaut habe. Und der Angst vor dem unerfahrenen Selenski, der die Ukraine wieder zu einer leichten Beute Putins mache. Doch Poroschenkos Patriotismus überzeugte die Ukrainer nicht mehr. Schon lange gaben sie ihm die Schuld für den sinkenden Lebensstandard. Dazu kam sein halbherziger Kampf gegen die Korruption, der die eigenen Geschäftsfreunde immer ausschloss. Zur Last gelegt wurde ihm auch noch der Krieg im Donbas, der ihn reicher gemacht haben soll.

Damit geht Putins Rechnung auf. Die russische Aggression ist eine Hypothek für die Ukraine, die sich schnell gegen jeden Präsidenten wenden kann – auch Selenski, auf dem nun enorme Hoffnungen lasten. Dabei wird sich bald zeigen, ob der «ehrliche, normale Bürger», als der der TV-Komiker im Wahlkampf angetreten ist, wirklich etwas verändern kann. Die Wahl Selenskis zeigt vor allem eines: Mehr Schein als Sein lassen sich die Ukrainer nicht mehr gefallen.