Kommentar

Die Täternationalität nicht verschweigen

Die Nationalität von Tatverdächtigen macht die Stadtpolizei Zürich nicht mehr automatisch publik.Gaetan Bally/Key (Symbolbild)

Die Nationalität von Tatverdächtigen macht die Stadtpolizei Zürich nicht mehr automatisch publik.Gaetan Bally/Key (Symbolbild)

Die Zürcher Stadtpolizei nennt die Nationalität in Medienmitteilungen künftig nur noch auf Anfrage.

Vor Jahren haben Polizeikorps damit begonnen, die Nationalitäten von Tätern zu nennen. Nicht dass der Reisepass viel über die Hintergründe einer Tat erklären könnte. Nein, die Information war vor allem ein Kind einer Zeit, in der die Einwanderung zugenommen hatte – und mit ihr die Debatte über sie.

Zürichs Polizei geht nun einen anderen Weg, nennt die Nationalität nicht mehr konsequent. Für die Ermittler bringt diese Praxisänderung weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung. Auch ist die Information über den Pass isoliert gar nicht wichtig. Viel eher haben zum Beispiel wirtschaftliche oder familiäre Herkunft, ein Mangel an Perspektiven oder etwa Drogenkonsum einen Einfluss darauf, ob jemand zu kriminellen Methoden greift oder nicht.

Wenn also nordafrikanischstämmige junge Männer für Schlagzeilen sorgen, weil sie Frauen begrapscht haben, dann heisst das nicht, dass sie das tun, weil sie Marokkaner oder Tunesier sind. Viel mehr würden wahrscheinlich die familiären Verhältnisse, in welchen sie aufgewachsen sind, über ihr Frauenbild aussagen. Ein Frauenbild, das demjenigen jener Männer übrigens gar nicht so unähnlich ist, deren Taten im Zuge von «#MeToo» ans Licht gekommen sind.

Und trotzdem ist es falsch, wenn die Polizei die Nationalität verschweigt. In einer offenen Gesellschaft müssen Bürger mit Informationen umzugehen wissen. Ihnen kann zugetraut werden, dass sie von Einzelfällen nicht auf die Ausländer generell schliessen. Denn so viel ist klar: Wenn Ausländer kriminell werden können, dann können das auch Schweizer.

daniel.fuchs@azmedien.ch

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