Fünf Millionen Stunden. So viel Zeit wenden Angehörige im Kanton Aargau pro Jahr für die Pflege kranker Familienmitglieder auf. Sie machen es aus Liebe, vergessen dabei oft ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen. Eine Entschädigung oder Gegenleistung verlangen sie nicht. Sie sind die stillen «Chrampferinnen und Chrampfer» im Hintergrund. Übernehmen Verantwortung, obwohl das niemand von ihnen verlangt.

Gerade in Zeiten, in denen ausschweifend über steigende Gesundheitskosten diskutiert wird, haben Angehörige für die vielen Stunden, die sie für die Pflege ihre Eltern, Partner oder Kinder aufopfern, Wertschätzung verdient. Sie halten im Hintergrund das Konstrukt zusammen, während Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitsexperten nach Lösungen suchen. Ohne die vielen Arbeitsstunden, die sie leisten, wären die immer höheren Prämien wohl das kleinste Problem. Stattdessen ginge es darum, einen Kollaps unseres heutigen Gesundheitssystems zu verhindern.

In Zukunft dürfte die Arbeit von pflegenden Angehörigen angesichts der demografischen Entwicklung immer wichtiger werden. Umso notwendiger, dass ihre Bedürfnisse ob all des Nutzens, den ihre Arbeit der Gesellschaft bringt, nicht einfach vergessen gehen. Genauso selbstverständlich wie sie sich kümmern, sollten sie sich ab und zu etwas gönnen. Denn die Pflege von Angehörigen wird nicht einfacher in einer Gesellschaft, in der Selbstverwirklichung über alles andere gestellt wird, die weite Welt lockt, die Zeit sowieso fehlt und sich Familien nicht nur räumlich weniger nah sind als früher.