Kommentar

Die SP und die Frauenfrage: Mehr Demut statt moralischer Zeigefinger bitte

SP-Mann Dieter Egli liess SP-Frau Franziska Graf keine Chance.

SP-Mann Dieter Egli liess SP-Frau Franziska Graf keine Chance.

Die Delegierten der SP-Aargau nominieren Dieter Egli zum Regierungsratskandidaten. Ausgerechnet die Partei, welche stets mehr Frauen in Führungsgremien fordert, bevorzugt jetzt einen Mann. Ein Kommentar.

Die Sozialdemokraten machen sich in einem ihrer Kernthemen gerade unglaubwürdig. Stets richten sie den Zeigefinger auf andere, wenn es um die Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen geht. Selber kneifen sie jetzt aber und schicken einen Mann in die Regierungsratswahl, obwohl die SP in der Kantonsregierung noch nie eine Frau stellte.

Zu denken geben sollte der SP auch, dass ausgerechnet sie es nicht fertig brachte, eine aussichtsreiche Frauenkandidatur aufzubauen. Franziska Graf war offensichtlich zu wenig bekannt und zu wenig beliebt in den eigenen Reihen und streicht deshalb schon nach dem ersten Wahlgang ernüchtert die Segel.

Der parteiinterne Sieger Dieter Egli selber muss sich nicht grämen. Er ist eine über die Parteigrenzen hinaus geschätzte Persönlichkeit, die man sich gut im Regierungsrat und als direkten Nachfolger von Justiz- und Polizeidirektor Urs Hofmann vorstellen kann. Der Weg dorthin könnte allerdings steiniger werden als gedacht. Zwar wird die SP versuchen, zusammen mit den Grünen gegen die Bürgerlichen in den Wahlkampf zu ziehen. Realistischer ist aber, dass die grüne Kandidatin dem frei werdenden SP-Sitz gefährlich werden kann.

Eine Lehre darf die SP aus der gescheiterten Frauenkandidatur bereits ziehen: Etwas mehr Demut statt moralische Überlegenheit, wenn es wieder mal um Forderungen geht, die sie selber nicht einhalten kann.

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