Nach diesen Ostertagen müssen wir wieder einmal über den Sinn reden. Über den Sinn, dessen Gegenbegriff nicht Un-Sinn wäre, sondern Nicht-Sinn. Die Unterscheidung klingt etwas pedantisch, aber Un-Sinn ist nicht per se sinnlos, sondern setzt geradezu Sinn voraus.

Nur wenn Einigkeit darüber besteht, was Sinn ist, kann Un-Sinn Un-Sinn sein. Wenn sich ein Sekundenzeiger in einer Uhr im Gegenuhrzeigersinn bewegt, ist das Un-Sinn, aber nicht sinnlos. Er hält sich immerhin noch an die die Regel 60 Sekunden = 1 Minute. Hingegen den Zeiger zucken zu lassen, ist in den meisten Fällen sinn-los.

Natürlich verwenden wir den Begriff «Sinn» in einem etwas weiteren Sinn als nur eine Bewegungsrichtung. Auch wenn der Ausdruck: «Das macht Sinn» durchaus anzeigt, dass etwas in die gewünschte, also richtige Richtung läuft. Umgekehrt reden wir oft davon, dass «der Sinn» verloren gegangen sei.

Das kann «der Sinn von etwas» sein, aber auch der Sinn überhaupt. Dann meinen wir das meist in der Form von Zweck oder End-Zweck. Sinnvoll ist eine Handlung, wenn man weiss, wozu oder worumwillen man sie vollbringt. Der Sinn darin, dass wir Steuern zahlen, ist der, dass dann etwas zustande kommen kann, was allen nützt, der Einzelne aber nicht geschafft hätte, hervorzubringen.

Jetzt sehen wir auch, dass Sinn mit Bewegung, mit Veränderung zu tun hat. In einem statischen, in sich ruhenden System gibt es keinen Sinn. Jede Veränderung stört. Bewegung ist oder wäre hier sinnlos. In Systemen, die sich verändern, wären dann erwünschte Bewegungen sinnvoll. Nicht erwünschte können sinnlos sein oder Unsinn.

Eine Veränderung innerhalb eines Systems schafft eine Differenz. Die Bewegung des Geldes innerhalb einer Gesellschaft schafft Arme und Reiche. Bevor wir aber in vielleicht heikle Regionen abdriften, endlich die Frage, um die es hier geht: Ist «Sinn» eine Differenz oder eine Kategorie? Das muss man natürlich erklären. «Sinn» als Differenz verstehen wir leichter. Aber ist eine Veränderung, ein Unterschied, der in die richtige Richtung geht, ist das schon «der Sinn»? Sinn wäre dann, eine Differenz zu schaffen oder zu machen.

Das klingt ganz gut und ist mit dem, was bisher gesagt wurde, auch gut verträglich. «Sinn» als Kategorie ist schwieriger zu verstehen. Sinn ist, was man als sinnvoll erlebt. Gegen den Strom schwimmen ist physikalisch nicht sinnvoll, wenn auch möglich.

Oder um ein Beispiel aus der Wissenschaftsgeschichte zu zitieren: Keplers Problem war nicht nur, dass er das heliozentrische System verteidigen musste, sondern zusätzlich, dass seine Objekte am Himmel nicht Kreise beschrieben, sondern Ellipsen. Das erschien den Zeitgenossen als Un-Sinn par excellence. Und er musste das natürlich zusätzlich begründen. Das Gesetz finden, das mit den Daten kompatibel war. Kreise hätte man problemlos akzeptiert.

Die Physik eignet sich ganz gut, um das Problem zu erläutern. Sie hatte sich schon von Beginn an das Prinzip der Symmetrie zu eigen gemacht. Wenn etwas runtergeht, muss etwas anderes aufsteigen. Wenn etwas verloren geht, muss anderswo etwas entstehen. Alle diese Erhaltungssätze sind verlässliche Prinzipien, und sie basieren auf der Idee der Symmetrie. «Sinn» als Kategorie wäre ein Prinzip der Ein-Ordnung. «Sinn» ist etwas, was Ordnung schafft. Die Dinge so ordnen, wie es richtig ist. Dann macht es Sinn.

Weil jetzt im Eishockey Playoff-Zeit ist, lässt sich das gut anwenden. Fasst man Sinn als Kategorie, wäre die Meisterschaft nach der Regular Season zu Ende. Man hat eine Rangliste, die Teams haben sich der Reihe nach eingeordnet.

Alle Resultate zählen, wenn auch nicht immer gleich viel, aber wenn der Beste mal gegen einen Schwächeren verloren hat, kann das entscheidend sein. Der Beste, der Meister, ist, wer vorne in der Rangliste liegt. Playoff zu spielen wäre dann die Veranstaltung, eine Differenz zu machen. Sieger oder Meister ist, wer es schaffte, die letzte Differenz zu machen. Was vorher war, gilt nichts oder nicht viel.

Regular Season oder Playoff ist keine Frage der Konkurrenz. Die gibt es in beiden Meisterschafts-Modi. Spannender ist Playoff – ohne Frage. Deshalb auch beliebter. Aber die Frage muss erlaubt sein, ob man Sinn als Kategorie völlig unter den Tisch fallen lassen soll.