Pünktlich zum Frauentag erreicht uns eine gute Nachricht: Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen in den hundert grössten Unternehmen ist gestiegen. Die Sache hat zwei Haken: Der Grossteil der neuen Spitzenmanagerinnen kommt aus dem Ausland und ist also kaum das Resultat einer fortschrittlichen Frauenpolitik. Und zweitens ist der Anteil mit acht Prozent immer noch äusserst bescheiden.

Der Bundesrat möchte diesen Wert steigern: In den Geschäftsleitungen der börsenkotierten Unternehmen sollen 20 Prozent Frauen sein. Wer das Ziel innert zehn Jahren nicht erreicht, wird nicht etwa sanktioniert (das ginge fürwahr zu weit), sondern muss sich erklären. Mit anderen Worten: Der Bundesrat will mit sanftem Druck darauf hinwirken, dass sich Firmen mit der Frauenförderung beschäftigen.

Die Abwehrreflexe bei den bürgerlichen Parteien sind jedoch riesig. Es ist zu befürchten, dass das Parlament die Idee zerzaust. Gleiches droht den Massnahmen zur Lohngleichheit. Dabei geht es auch bei den internen Lohnanalysen in erster Linie darum, auf das Problem aufmerksam zu machen. Denn vielerorts fehlt es nicht am guten Willen, sondern am Bewusstsein für diskriminierende Lohnunterschiede.

Beide Massnahmen zielen darauf ab, über Gleichstellung zu reden. Und beiden gemein ist, dass sie von den Bürgerlichen mit dem Totschlagargument Bürokratie bekämpft werden. Es ist ein vorgeschobenes Argument, bei anderen Themen nimmt man es mit der Bürokratie nicht ganz so ernst. Die Schweizerinnen und Schweizer aber verdienen eine echte Gleichstellungsdebatte.

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