Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – ob es dieses Sprichwort auch in der Türkei gibt? Klar ist: Die staatliche Religionsbehörde Diyanet, an deren Spitze ein Vertrauter von Staatspräsident Erdogan steht, zahlt mehreren Imamen in Aargauer Moscheen den Lohn. Sie werden von einer Behörde bezahlt, die zum Beispiel in Kindercomics den Märtyrertod verherrlicht oder Flirten und Händchenhalten in der Öffentlichkeit als unislamisch kritisiert.

Die Behörde wacht in der Türkei streng über Imam-Ausbildung und Religionsunterricht. Sie verfasst auch die Freitagsgebete, die in den Moscheen verlesen werden. Dass ein Imam, der von diesen Religionswächtern in den Aargau entsandt wird, hier einen fortschrittlichen Islam predigt, ist kaum vorstellbar. Doch genau das wäre nötig, wie zuletzt die Debatte um Handschlag-Verweigerung und Anerkennung der Gleichberechtigung von Mann und Frau gezeigt hat. Sonst tut sich unweigerlich ein tiefer Graben auf zwischen konservativ-islamischen Werten, die in der Moschee gepredigt werden, und dem liberalen Rechtsstaat, der bei uns gilt.

Transparenz ist das Mindeste, was der Kanton verlangen kann: Woher kommen die Imame und wer bezahlt sie? Diese Fragen müssen beantwortet sein. Zudem hat es der Kanton in der Hand, bei der Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für Imame genauer hinzuschauen und allenfalls höhere Anforderungen zu stellen. Letztlich stellt sich die Frage, ob die Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland verboten werden soll, wie dies Österreich heute schon tut.