Gewinneinbruch

Die Post muss sich selber helfen

Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller und CEO Ulrich Hurni vor dem Medienkonferenz.

Der Gewinn der Post ist markant eingebrochen. «Mehr Risiken einzugehen – gedeckt von einer Staatsgarantie –, wäre für die Post der falsche Weg», schreibt Patrik Müller im Kommentar.

Eines muss man dem obersten Pöstler zugutehalten: Urs Schwaller hat den Subventions-Betrug bei Postauto umfassend aufgearbeitet, schnell personelle Konsequenzen gezogen und die erschlichenen 200 Millionen Franken zurückbezahlt. Doch wenn der Post-Präsident nun sagt, «die Angelegenheit» sei «abgeschlossen», so irrt er. Die strafrechtlichen Untersuchungen werden den Bundesbetrieb noch lange beschäftigen. Im Visier stehen zurückgetretene Top-Kader wie CEO Susanne Ruoff, der Postauto-Chef und der Finanzchef. Mögliche Anklagen und Prozesse werden riesige Medienereignisse sein. Und die Post wird entscheiden müssen: Geht auch sie gegen ihre Ex-Chefs mit Verantwortlichkeitsklagen vor? Tut sie es, dauern die Schlagzeilen noch länger an. Tut sie es nicht, wird der Eindruck entstehen, die Post schone ihre früheren Chefs.

Finanziell kann die Post die Affäre locker verkraften. Die künftigen Gewinne sind aus zwei anderen Gründen bedroht: Erstens gelingt es der Post unzureichend, die Rückgänge in der guten alten Briefpost mit Innovationen aufzufangen. Zweitens ist die Postfinance zu einem Sorgenkind geworden. Prompt appellierte am Donnerstag ihr Chef an die Politik, ihr die Vergabe von Hypotheken zu erlauben. Doch nur weil die Gewinne der Postfinance schrumpfen, muss das Parlament der Forderung nicht nachgeben. Sie muss sich selber helfen. Denn auf dem Hypothekarmarkt braucht es neben den Kantonalbanken nicht auch noch einen Bundesbetrieb. Mehr Risiken einzugehen – gedeckt von einer Staatsgarantie –, wäre für die Post der falsche Weg. Nach dem Subventionsskandal erst recht.

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