Das Thema eint die Schweiz wie kaum ein anderes. Egal, welche Zeitung man aufschlägt: Die Schliessung von Poststellen beschäftigt alle Regionen. Politiker aller Couleur setzen sich für den Erhalt der Post in ihrem Dorf ein. Und mittlerweile ist der Unmut auch in den Städten angelangt. Ein Hausservice in einem städtischen Quartier oder die geplante Schliessung der historischen Hauptpost? Das kratzt am Selbstverständnis. Der Umbau oder je nach Sichtweise Abbau des Poststellennetzes betrifft längst nicht mehr nur abgelegene Bergtäler. In den letzten 20 Jahren verschwanden die Hälfte der 3600 Poststellen. Bis 2020 sollen weitere 600 schliessen und Alternativen wie Hausservice oder Postagenturen eingeführt werden.

Die Post hat gute Gründe für ihre Pläne. Wann haben Sie den letzten Brief geschrieben? Wann haben Sie die letzte Einzahlung am Postschalter getätigt? Die E-Mails ersetzen die Briefe, das E-Banking das gelbe Büchlein. Doch: Die Post ist eben mehr als ein Konzern, sie gehört schliesslich zu 100 Prozent dem Bund. Sie ist noch immer ein nationales Symbol. Die Schliessung der Metzgerei oder der Bäckerei mag man hinnehmen. Doch die Post? Hier gelten andere Regeln, weil es um ein Stück Identität und Selbstverständnis geht. Zudem ist der Abbau von Poststellen Ausdruck einer tiefergehenden Malaise: die Verödung der Stadt- und Dorfkerne.

Der Bundesrat hat die Stimmung in der Bevölkerung erkannt. Das Verschwinden der Poststellen ist zumindest im Empfinden ein Problem. Der Bund macht eine Studie und prüft die Anpassung der gesetzlichen Anforderungen. Dass er den grossen Umbau der Post damit stoppen wird, ist zwar nicht anzunehmen – denn die Kunden verändern ihr Verhalten nun mal. Doch der Bund steht als Eigentümer in der Verantwortung, genau hinzuschauen und den Prozess politisch zu begleiten.