Es ist ein Fall, der Fragen aufwirft: Ein kosovarischer Familienvater ist ins Clublokal eines Fussballvereins eingebrochen und hat dort rund 200 Franken gestohlen. Was nach einem harmlosen Delikt klingt, könnte für den Mann schwerwiegende Folgen haben: Weil die Kombination aus Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Diebstahl zu den sogenannten Katalogdelikten der Ausschaffungsinitiative gehört, droht dem Kosovaren eine Landesverweisung.

Das ist unverständlich, kann nicht sein, denkt der Journalist am Prozess. Der Angeklagte lebt seit 25 Jahren in der Schweiz, hat eine feste Stelle, ernährt eine Familie mit zwei Kindern – soll man ihn wegen des kleinen Einbruchs ausschaffen? Nein, sagt der erste Eindruck beim Prozess. Ja, sagt der Richter, denn der Mann ist vorbestraft, hat Betreibungen am Hals und offenbar Probleme, hiesige Gesetze einzuhalten. Das öffentliche Interesse, den Kosovaren auszuweisen, sei grösser als dessen privates Interesse, in der Schweiz zu bleiben.

Ein Härtefall läge für den Richter vor, wenn der Mann zum ersten Mal straffällig wird, 40 Jahre in der Schweiz lebt, die Sprache seines Herkunftslandes nicht spricht und keinen Bezug zur Heimat hat. Beim aktuellen Fall hätte das Volk eine Ausschaffung gewollt, sagt der Richter. Doch er kann die fällige Landesverweisung nicht anordnen – das Formular für den Strafantrag, das ein Vertreter des geschädigten Fussballclubs ausgefüllt hat, ist nicht komplett. Das ist unverständlich, kann nicht sein, denkt der Journalist am Prozess. Doch formal ist alles korrekt, der aussergewöhnliche Fall zeigt einzig die Ohnmacht des Richters auf.