Zur beginnenden Eishockey-Saison

Die neue Eishockey-Saison verspricht Spannung – um Glück gibts keinen FC Basel

Am Mittwoch startet die neue Eishockey-Saison.

Am Mittwoch startet die neue Eishockey-Saison.

Ab heute Abend geht es wieder los! In der Schweiz starten die Eishockey-Klubs in die neue Saison. Langweilig, wie im Fussball, wird es garantiert nicht.

Auch wenn der Blick aus dem Fenster dieser Tage das Gegenteil verrät: Ab heute Abend ist wieder Zeit für Eishockey – ungeachtet der spätsommerlichen Verhältnisse. König Fussball muss nach Monaten der Alleinherrschaft zumindest in der Schweiz ein wenig zur Seite rücken und sich die Aufmerksamkeit mit den Puckjägern teilen. Und das ist gut so. Vor allem deshalb, weil im Eishockey der Meister nicht schon feststeht, bevor die Saison überhaupt begonnen hat. Während in der höchsten Schweizer Fussball-Spielklasse der FC Basel das absolute Mass aller Dinge ist und die Meisterschaft eigentlich schon nach wenigen Spieltagen bereits wieder gewonnen hat, ist das Rennen in der Bel-Etage des hiesigen Eishockeys völlig offen. Und zwar aus zwei Gründen.

Der erste Grund ist der naheliegendste und war in der letzten Saison besonders augenfällig. Wenn im März die Playoffs beginnen, dann werden die Karten noch einmal gänzlich neu gemischt. Kritiker behaupten gerne, dass so die 50 Runden Qualifikation sportlich ad absurdum geführt werden. Doch spätestens dann, wenn der Kampf um die acht begehrten Playoff-Plätze in vollem Gang ist, wird wieder jeder Punkt von Gewicht sein. Gerade die, die man im Spätsommer holen konnte oder eben verpasste, spielen am Ende oft das Zünglein an der Waage über Sein oder Nichtsein. Der SC Bern wäre in der Vorsaison um ein Haar in die Abstiegsrunde gerutscht – und wurde am Ende bekanntlich auf sensationelle Art und Weise noch Meister. Aus diesem Holz sind die wahren sportlichen Dramen geschnitzt. Im Fussball kann man von so einem Drehbuch nur noch träumen.

Der zweite grosse Unterschied zum Fussball betrifft die generelle Ausgeglichenheit der Liga. Klar: Auf dem Papier sind die ZSC Lions und der SC Bern das Mass aller Dinge. Die Lions, während der Qualifikation stets so etwas wie der FCB der NLA (die Zürcher gingen in den letzten drei Saisons stets als Nummer eins in die Playoffs), haben sich nach dem sensationellen Viertelfinal-Out gegen des SCB im letzten Frühling noch einmal verstärkt und dürften sich kaum vom Platz an der Sonne verdrängen lassen. Auch wenn dieser Platz den Meistertitel eben nicht garantiert, so ist er im Falle der Zürcher halt doch von Belang. Die Zuschauer im Hallenstadion wollen auch im Herbst unterhalten werden. Würden sich die Lions ähnlich schwerfällig und erfolglos wie der SC Bern im Vorjahr durch die Qualifikation schleppen, dann wäre auch hier schnell Feuer unterm Dach.

Rückenwind für die wegweisende Abstimmung

Ein guter Saisonstart ist für den ZSC umso wichtiger, als am 25. September eine wegweisende Abstimmung über die Bühne gehen wird. An jenem Sonntag entscheidet das Stimmvolk der Stadt Zürich über den Bau der neuen Eishockey-Arena. Sollte das Begehren angenommen werden, dann haben die Lions mittelfristig auch von der Infrastruktur her das Potenzial, zum Eishockey-Pendant des FC Basel zu werden, da sich wirtschaftlich ganz neue Perspektiven bieten würden. In ihrer aktuellen Heimat, dem Hallenstadion, sind die Puckjäger nicht mehr als leidlich akzeptierte Gäste mit erheblichen kommerziellen Nachteilen. Ein paar Siege zum Saisonstart könnten also vielleicht noch den einen oder anderen unentschlossenen Stimmbürger dazu bewegen, an der Urne ein «Ja» einzulegen.

Schon lange Herr im eigenen Haus ist das zweite Schwergewicht der hiesigen Eishockey-Landschaft, der SC Bern. Der Titelverteidiger schloss die vergangene Saison zum 16. Mal in Serie (!) mit einem finanziellen Überschuss ab. Die Berner sind punkto Wirtschaftlichkeit seit Jahren das Mass aller Dinge im Schweizer Eishockey und können sich so bei Bedarf eben auch den einen oder anderen grossen Namen auf dem Transfermarkt leisten. Das alleine garantiert den Erfolg noch nicht – gerade der SCB kann ein Liedchen davon singen – aber letztlich hilft die vorhandene Klasse eben oftmals doch noch, eine eigentlich verkorkste Saison noch in extremis zu retten.

Seit nunmehr 15 Jahren hat es in der NLA keine Mannschaft mehr geschafft, ihren Titel zu verteidigen. Letztmals gelang dieses Kunststück den ZSC Lions im Jahr 2001. Ein weiteres Indiz für die Ausgeglichenheit im Schweizer Eishockey. Auch in dieser Saison lauern hinter den beiden Schwergewichten aus Zürich und Bern ein paar gefährliche Konkurrenten. Allen voran der letztjährige Finalist Lugano, der vom ersten Titelgewinn seit 2006 träumt. Oder Rekordmeister Davos, der unter Trainer Arno Del Curto, der seine 21. (!) Saison an der HCD-Bande in Angriff nimmt, stets zum erweiterten Favoritenkreis gehört. Oder der EV Zug, der sich mit NHL-Rückkehrer Raphael Diaz verstärkte. Für Spannung ist auf jeden Fall auch in dieser Saison gesorgt. Zum Glück gibts im Eishockey keinen FC Basel.

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