Das kommt doch ziemlich überraschend: Gefragt, was sie denn besonders beschäftige, antworteten am Aargauer Alterskongress viele Seniorinnen und Senioren: Es sei die zunehmende, bald alltägliche Altersdiskriminierung, die ihnen zu schaffen mache.

 Sie sind gestresst, wenn sie im Supermarkt an der Kasse stehen und hoffen, sie seien schnell genug, damit es keine abfälligen Bemerkungen aus der Warteschlange absetzt.

Sie sind verunsichert, wenn öffentlich verlangt wird, dass Rentner nur noch zu bestimmten Zeiten einkaufen sollen.

Sie fühlen sich ausgegrenzt, wenn Politiker ernsthaft diskutieren möchten, ob man älteren Menschen vorschreiben soll, wann sie den Zug benützen dürfen. Damit die wirklich wichtigen Leute genügend Platz haben.

Sie fühlen sich schuldig, wenn sie ständig lesen oder hören, dass die heutigen Alten auf Kosten der Jungen leben täten. Dass AHV und Pensionskassen unermesslich viel besser dastehen würden, wenn es die immer noch älter werdenden Alten nicht gäbe.

Aber es gibt sie. Und täglich werden es mehr. Im Aargau sind heute schon fast 20 Prozent der Einwohner über 65 Jahre alt. Früher oder später sind wir es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch. Vielleicht sollten wir das bedenken, bevor wir uns wieder über den älteren Herrn an der Kasse im Parkhaus ärgern; oder bevor wir am Stammtisch lamentieren, spätestens mit 70 sei das Stimm- und Wahlrecht abzugeben.

Alt sein ist nicht einfach. Keiner hat es sich ausgesucht. Und, frei nach Franz Hohler: Es preicht jede und jeden.