Kommentar

Die Krise der Musterschülerin

Die Swiss legt ihre Europamaschinen vom Typ C-Series vorübergehend still. Die Maschinen müssen wegen Triebwerksproblemen einer umfassenden Inspektion unterzogen werden. Dies führt zu zahlreichen Flugausfällen. (Archiv)

Die Swiss legt ihre Europamaschinen vom Typ C-Series vorübergehend still. Die Maschinen müssen wegen Triebwerksproblemen einer umfassenden Inspektion unterzogen werden. Dies führt zu zahlreichen Flugausfällen. (Archiv)

Ein Kommentar von Wirtschaftsredaktor Benjamin Weinmann zum Grounding der Typ C-Series-Flugzeuge der Swiss.

Rekordgewinn! 500 neue Stellen! Langstreckenausbau! In den vergangenen Jahren war man sich von der Swiss fast nur gute Nachrichten gewohnt. Sie ist das Aushängeschild der Lufthansa und liefert dem deutschen Mutterkonzern regelmässig das beste Ergebnis ab. Doch nun ist die Swiss erstmals seit ihrer Übernahme 2005 durch die Lufthansa mit einer Krise konfrontiert.

Sie muss sämtliche 29 Flugzeuge des Typs C-Series temporär grounden und einer umfassenden technischen Inspektion unterziehen. Grund dafür sind wiederkehrende Triebwerk-Probleme. Damit leidet das Image der Musterschülerin.

Die Swiss war die weltweit erste Bestellerin der C-Series, des neuen Flugzeugtyps aus der Fabrik des kanadischen Herstellers Bombardier. Erfahrungswerte anderer Airlines fehlten, mit Anfangsschwierigkeiten musste also gerechnet werden. Dafür war der Rabatt wohl umso grösser. Der damalige Swiss-Chef Harry Hohmeister, der heute in der Lufthansa-Chefetage sitzt, wagte den Poker.

Obwohl die ersten Maschinen erst 2016 mit über zwei Jahren Verspätung abhoben, galten sie als grosse Erlösung. Sie ersetzten die in die Jahre gekommenen Jumbolinos auf der Kurz- und Mittelstrecke. Zuletzt schien es, als käme der Erfolg – vor allem am Flughafen Genf, wo die Swiss aus den roten Zahlen flog.

Bald wird sich zeigen, ob die Krise temporär ist, oder die Swiss den Preis der Pionierin bezahlen muss.

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