Seit 150 Jahren weht in Berlin die Schweizer Fahne. Heute Abend wird in der deutschen Hauptstadt die Gründung der ersten Schweizer Gesandtschaft im Jahr 1867 gefeiert. Das Botschaftsgebäude steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Machtzentrum der deutschen Politik, zum Kanzleramt und zum Bundestag. Kein anderer Staat ist in Berlin an so prominenter Stelle präsent. Aber wie nah sind sich die beiden Länder politisch, gibts überhaupt etwas zu feiern?

Noch vor kurzem sah es gar nicht danach aus. 2009 drohte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück der Schweiz mit der Kavallerie. Man stritt über Steuerflüchtlinge und über Fluglärm, und als die Zahl der deutschen Einwanderer zunahm, machte sich eine Art von politisch korrektem Rassismus breit: Es galt als chic, über die ehrgeizigen und arroganten Deutschen zu fluchen, die in vielen hiesigen Unternehmen die Chefsessel übernahmen. «Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?», fragte der «Blick». Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» diagnostizierte noch 2012 schwere Beziehungsprobleme und titelte: «Das Kreuz mit der Schweiz».

Tempi passati. Das Bankgeheimnis ist tot (allerdings vor allem wegen der Amerikaner), gröbere diplomatische Verwerfungen gibts im Moment nicht, und statt 30 000 Deutsche wanderten zuletzt netto nur noch 6000 ein – das scheint «verträglich» zu sein. Der letztjährige Bundespräsident Johann Schneider-Ammann traf Kanzlerin Angela Merkel nicht weniger als fünfmal. Die mächtigste Frau Europas, die gern im Engadin Ferien macht, erweist sich in Brüssel als treue Fürsprecherin von Schweizer Anliegen. Alles in Butter zurzeit: Die 150-Jahr-Party kann steigen.

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