Kommentar

Die Kampfwahl ums Präsidium ist ein Glücksfall für die SP

Heisser Kampf ums SP-Präsidium. Cédric Wermuth.

Heisser Kampf ums SP-Präsidium. Cédric Wermuth.

Vor 15 Jahren kürte eine Schweizer Partei zuletzt ihr Präsidium mittels Kampfwahl. Die SP hat gleich zwei Duos zur Auswahl – ein gutes Zeichen für die Partei.

Es geschah am 5. März 2005. Die FDP hatte an diesem Tag die Qual der Wahl. Sollte sie den Tessiner Fulvio Pelli zum Präsidenten machen, der eigenständig Mitte-rechts politisieren wollte? Oder den Luzerner Georges Theiler, der den Freisinn tendenziell an die SVP anlehnen wollte? Die FDP-Delegierten entschieden sich mit 228:150 Stimmen für den eigenständigen Weg.

Vor 15 Jahren erkor zum letzten Mal eine Bundesratspartei ihren Präsidenten in einer Kampfwahl. Seither mussten die Parteien froh sein, wenn sich überhaupt jemand bereit erklärte, das Präsidium zu übernehmen. Oder die Kandidaten waren von höherer Warte für das Präsidium auserkoren – wie Toni Brunner und Albert Rösti bei der SVP.

Die SP hat das Glück, dass sich mit Mattea Meyer (32) und Cédric Wermuth (34) auf der einen und Priska Seiler Graf (51) und Mathias Reynard (32) auf der anderen Seite zwei valable Duos zur Wahl für das Co-Präsidium stellen. Nachdem Christian Levrat 2008 ohne Gegenkandidat gewählt worden war, finden die Genossen zurück zu Kampfwahlen, wie 2004 bei Hans-Jürg Fehr und 1997 bei Ursula Koch.

Für die SP ist das ein Glücksfall. Er zeigt: Die Partei hat fähiges Führungspersonal, auf verschiedenen Altersstufen. Die Kampfwahl ist ein Ausrufezeichen nach der kurzen Depression, die mit der Schlappe bei den Wahlen 2019 eingesetzt hatte.

Das zeigte sich beim ersten gemeinsamen Auftritt der Kandidaten-Duos in Hitzkirch (LU). Es ging ein Ruck durch den Saal, die Vorfreude auf die Wahl ist gross. Wie bei der FDP geht es auch bei der SP um eine Richtungswahl – im Stil. Soll die Partei Partei bleiben? Oder Bewegung werden?

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