Milizsystem

Die Jungen besser ansprechen

Gemeinden haben Mühe, ihre Exekutiven zu besetzen, und besonders schwer fällt es ihnen, junge Leute zu rekrutieren. Blick in einen Gemeinderatssaal.

Es ist ein Lied, das gerne gesungen wird, seit längerem schon und immer öfter: Das Lied von den Jungen, die nur noch an sich selber interessiert seien, auf den eigenen Vorteil bedacht und sonst gar nichts. Und bestimmt nicht bereit, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Etwa Teil des angeschlagenen Milizsystems zu werden – als Gemeinderat zum Beispiel.

Nun muss dieses Lied ein wenig umgeschrieben werden. Denn ganz so egoistisch und desinteressiert scheint die U35-Generation doch nicht zu sein. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine neue Studie. Demnach können sich 20 Prozent der jungen Deutschschweizer vorstellen, in ihrer Gemeinde ein Amt zu übernehmen.

Das sind, zuerst einmal, gute Nachrichten für die Gemeinden. Sie haben Mühe, ihre Exekutiven zu besetzen, und besonders schwer fällt es ihnen, junge Leute zu rekrutieren: 70 Prozent der Gemeinden geben an, dass es an politischem Nachwuchs mangelt. Das spiegelt sich auch im Anteil der unter 35-Jährigen in den Gemeinderäten. Er beträgt nur knapp sechs Prozent. Ein guter Altersmix sieht anders aus. Dabei wäre die Stimme der Jungen in der Politik, wo die Weichen für die Zukunft gestellt werden, besonders wichtig.

Die Studie legt nahe, dass der Anteil der unter 35-Jährigen deutlich höher sein könnte. Natürlich: Von der Absichtserklärung bis zum Amtsantritt ist es ein weiter Weg. Und doch verpufft hier derzeit einiges Rekrutierungspotenzial.

Deshalb sind Gemeinden und Parteien gefordert: Sie müssen die Jungen ansprechen, sie in die Pflicht nehmen. Und so die schönen Absichtserklärungen des Nachwuchses einem Realitätscheck unterziehen.

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