Konflikt mit Russland

Die hilflose Ukraine

Ein Video-Screenshot zeigt den Zusammenstoss eines russischen und eines ukrainischen Boots.

Ein Video-Screenshot zeigt den Zusammenstoss eines russischen und eines ukrainischen Boots.

Der Konflikt schien von der internationalen Agenda verschwunden zu sein – und dringt nach dem Schifframmen im Schwarzen Meer umso stärker wieder ins Bewusstsein: Russland führt Krieg gegen die Ukraine. Moskau mag es abstreiten, mag auf «grüne» und «blaue Männchen» verweisen, mag auch stets das internationale Recht betonen – dabei verletzt der Kreml kaltblütig genau dieses. Russland hat völkerrechtswidrig die ukrainische Halbinsel Krim besetzt. Es hat auch längst am Asowschen Meer, dem Nebenmeer des Schwarzen Meeres, Fakten geschaffen. Das Gewässer ist mittlerweile ein russisches Meer. Damit kann Moskau Kiew jederzeit wirtschaftliche und politische Nadelstiche versetzen. Es macht es mit Genugtuung. Seit Monaten. Der jetzige Zwischenfall mit Verletzten zeigt, wie gefährlich die Lage in der Ukraine weiterhin ist.

Sicher: Die Ukraine hat innenpolitisch mit sich selbst zu kämpfen. Auch fünf Jahre nach den zunächst friedlichen Studentenprotesten auf dem Kiewer Maidan, die schliesslich in Strassenschlachten, zum Verlust der Krim und zum Krieg in der Ostukraine geführt haben, versinkt das Land in einem selbst geschaffenen System aus Korruption und Vetternwirtschaft. Die stetige Gängelung von Moskau lässt die Ukraine jedoch nicht den Weg gehen, den sie eingeschlagen hat: in Richtung EU und Nato.

Kiew ist hilflos angesichts der russischen Drohgebärden und bettelt geradezu um eine Einmischung des Westens in seine inneren Angelegenheiten. Ohne diese ist das Land innen- wie aussenpolitisch zugleich einem Zerfall in kleine, nicht überlebensfähige Einheiten ausgeliefert.

ausland@chmedia.ch

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