Der Polizist zögerte keine Sekunde. Als er vorige Woche während einer Wahlveranstaltung in einem Vorort von Pittsburgh (Pennsylvania) von einem Senator gefragt wurde, was denn das drängendste Problem in seiner Kommune sei, sagte der Ordnungshüter: «Heroin».

Gegen 70 Menschen sind im laufenden Jahr im Verwaltungsbezirk Beaver County an einer Überdosis gestorben, doppelt so viel wie im Jahr 2015. Die Behörden seien überfordert mit der Epidemie, sagte der Polizist. «Das ist schrecklich», gab der republikanische Senator zurück, der aus North Carolina stammt – ein Staat, der ausserhalb des «Rust Belt» liegt und damit weniger stark von der aktuellen Drogen-Welle betroffen ist. Dann versprach er, mit seinen Parteikollegen über dieses Problem zu sprechen, «denn es ist wichtig, dass wir eine Lösung finden».

Natürlich kann man von solchen Politikerphrasen halten, was man will. Grundsätzlich aber gilt: Die mehrheitlich weissen Bewohner der Industriestädte im amerikanischen «Rust Belt», der von Wisconsin im Westen bis nach Pennsylvania im Osten reicht, sind die heimlichen Sieger des Präsidentschaftswahlkampfs. Dank der unorthodoxen Strategie des Republikaners Donald Trump, der in Städten des industriellen Herzlandes Amerikas auftritt, um die Möchtegern-Präsidenten normalerweise einen Bogen machen, werden die Sorgen und Nöte der Arbeiterklasse plötzlich wieder ernst genommen.

Ein Wundermittel zur Lösung der gröbsten wirtschafts- und sozialpolitischen Probleme gibt es nicht. Wer schon einmal dem Ohio River entlanggefahren ist, der weiss, dass sich der Strukturwandel nicht stoppen lässt. Aber immerhin wird den Menschen aus Ambridge (Pennsylvania) oder Toledo (Ohio) in Washington nun wieder zugehört.

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