Laut zischte Luft ins hitzige Abenddunkel. Aus dem Ventil? Oder aus dem Gummi? Meine Hände tasteten. Da, der Luftstrahl. Ein Loch im Autopneu. Kleiner als eine Bleistiftmine. Aber weitaus wirksamer. Genau das braucht man nach einem langen Arbeitstag. Ich verfluchte den schicken BMW, dem ich ausweichen musste und dessentwegen mein Pneu den Randstein kurz, aber eben doch zu stark touchierte. Und ich verfluchte den Pneu, der nach so vielen Jahren so gebrechlich war. Und ich verfluchte den Umstand, keinen Wagenheber zur Hand zu haben.

Aber immerhin lag da dieses Kärtchen der Versicherung im Handschuhfach. Darauf die heilsbringende Nummer der Assistance. Ist doch gut, wenn man die alle Schaltjahre mal wieder braucht – auf dass man die Prämie nicht für nichts zahlt. Am anderen Ende der Leitung erklang der Name eines bekannten Politikers; aber doch, es war eine weibliche Stimme aus dem Callcenter.

Und während ich grübelte, ob allenfalls eine Tochter des Politikers im Callcenter der Versicherung arbeitet, brauste der Ami-Schlitten an. Pick-up, gross, laut, männlich. Darin ein Held mit schwarz verschmierten Händen. «Ich war noch an einem gröberen Unfall, zwei Idioten haben sich ein Rennen geliefert», sagte er, ehe er das Ersatzrad montierte. «Hier eine Unterschrift, dann ist für mich auch Feierabend. Habe heute um 8 Uhr angefangen.» Es war jetzt Mitternacht. Danke auch auf diesem Weg!