Die Schlange der wartenden Touristen windet sich rund um den Dom von Florenz. Vor den Uffizien stehen sie bis zur Piazza della Signoria. Und auf dem Ponte Vecchio bekommt man Platzangst. Nicht anders in Pisa: Dutzende von Touristenbussen vor den Toren der Stadt, Menschenmassen vor dem Dom, dem Schiefen Turm. Und stets muss man aufpassen, dass man nicht von einem Selfie-Stick aufgespiesst wird – Selfie-Sticks sind die Lanzen des 21. Jahrhunderts. Italien erstickt im Massentourismus. Venedig versucht neuerdings, den Besucheransturm mit Drehkreuzen zu kanalisieren. Ob die Städte demnächst Eintrittsgelder kassieren – eine Art Weg- oder Torzoll wie im Mittelalter? 

Rom, Barcelona, Paris, Prag: Überall ist es dasselbe. Für grosse Städte und berühmte Sehenswürdigkeiten existiert offenbar so etwas wie die Gnade der frühen Geburt. Vor 30 oder 40 Jahren gab es keine langen Wartezeiten und schon gar kein Online-Ticketkauf. Der Eiffelturm? Wer ihn zu Fuss besteigen wollte, musste keine fünf Minuten anstehen. Der Petersdom in Rom? Hereinspaziert! Angesichts der heutigen Zustände erinnert man sich dankbar und gern an diese Zeiten. 

Es gibt freilich immer noch Tage und Monate ohne Touristenmassen. Doch die seien hier nicht verraten. Sonst…