Letzte Woche stand zu lesen, ein Unternehmen aus Genf wolle keine Leute mehr anstellen, die Militärdienst leisten. Offenbar, weil deren Abwesenheit vom Arbeitsplatz weder tragbar noch erwünscht sein soll. Man könnte dies als Einzelfall abtun, bedauern – oder auch nicht – und zur Tagesordnung übergehen. Immerhin hat das besagte Unternehmen etwas öffentlich gemacht, das auch andernorts einzureissen droht.

Es erfolgt nur subtiler und weniger wirksam in der Öffentlichkeit. Dabei geht es beileibe nicht nur um das Militär, sondern nicht weniger auch um andere Bereiche. Wie den Einsatz für eine Gemeinde, für den Kanton oder andere Aufgaben, die weder Lorbeeren noch Einkünfte verheissen. Das führt dann in vielen Fällen zur sogenannten Professionalisierung und nicht zuletzt zu steigenden Ausgaben und zusätzlicher Beanspruchung von Steuergeldern.

Zugegeben: Die Ansprüche sind gewachsen, die Anforderungen auch. Aber es ist nach wie vor kein schlechtes Rezept, Kenntnisse aus der Privatwirtschaft in die Politik einzubringen und umgekehrt. Leider ist dies heute nur noch sehr beschränkt der Fall. Auch wenn ich nicht verkennen will, dass es im Kanton Solothurn Beispiele gibt, wo man sich dieser Problematik wieder vermehrt bewusst wird.

Auch ist es immer noch so, dass Politik in aller Regel Knochenarbeit bedeutet. Schon manche haben erfahren, einmal gewählt, dass niemand auf sie gewartet hat. Wie dem auch sei: Einige Wahl- und Abstimmungsergebnisse haben in letzter Zeit deutlich aufgezeigt, wie tief die Kluft zwischen Wirtschaft und Politik in den letzten Jahren geworden ist. Leider vermochten sich viele Gremien, Verbände und auch Parteien nicht von der Polemik zu distanzieren, die zunehmend Einzug gehalten hat. Auch wenn es nicht um die Vergangenheit geht, sondern die Zukunft bewältigt werden muss, erinnere ich mich als ehemaliger Nationalrat gern an die differenzierten Voten, die Leute wie Ueli Bremi, Peter Spälti oder Kaspar Villiger abgaben, wenn es beispielsweise um Sozial-, Wirtschafts- oder gar um Energie- oder Agrarpolitik ging.

Auch diese Leute hatten als Wirtschaftsführer Interessen zu verteidigen und konnten zu jeder Zeit auf gegenseitige Unterstützung zählen. Auch hier haben sich die Zeiten geändert. Die Interessenkonflikte sind deutlicher geworden. Dennoch: Die Vertreter von Wirtschaft und Politik müssen Probleme von allgemeinem Interesse angehen und rechtzeitig tragfähige Lösungen entwickeln. Dabei kommt man nicht darum herum, die soziale Komponente der Marktwirtschaft zu berücksichtigen und das Heil nicht nur in Steuersenkungen, im tatsächlichen oder nur vermeintlichen Abbau von Bürokratie zu sehen.

Nicht wenige betrachten heute das Milizsystem als veraltet, kaum mehr in der Lage, die Probleme und Anliegen einer sich schnell verändernden Gesellschaft zu lösen. Ich sehe es genau umgekehrt. Aber nur, wenn die Bereitschaft besteht, das Schubladendenken aufzugeben, ist das möglich. Wenn weiterhin zuerst Geschirr zerschlagen wird, um es dann notdürftig zu flicken, werden sich kaum weiterführende Ansätze bilden. Unser kleines Land und sein politisches System bieten die Voraussetzungen dazu. Geradezu töricht wäre es, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen. Es wird immer ein harter, oft steiniger Weg sein. Illusionen sind kaum vermeidbar. Dieser Weg aber bietet mindestens die Chance, nicht im Morast gegenseitigen Unverständnisses zu versinken. Die Verzahnung von Wirtschaft und Politik wird vielfach kritisiert. Es mag durchaus auch fragwürdige Verbindungen geben. Notwendig ist sie dennoch, heute wichtiger als vielleicht in früheren Jahren, da dergleichen als selbstverständlich galt.

Doch zurück zum Anfang: Wenn eine Führungskraft Militärdienst leistet, ist das keine verlorene Zeit, sondern Gelegenheit, zu beweisen, dass auch die Wirtschaft Interesse hat an sicherheitspolitischen Aufgaben unseres Landes.

Andererseits muss auch die Politik bereit sein, das zu anerkennen und als Leistung im Interesse des Gemeinwesens zu betrachten. Das Gleiche gilt für Aufgaben in der Politik. Als Regierungsrat war ich immer interessiert, Leute um mich zu haben, die in ihren Gemeinden Aufgaben versahen. Sei es im Gemeinderat oder als Gemeinde-Präsidentin, -Präsident oder in anderen Funktionen. Manche «Frostwarnung» erfolgte daher rechtzeitig und liess den Regierungsrat nicht einfach unvorbereitet mit einem schwierigen Dossier ins Leere laufen.

Christian Wanner: Der Meisterlandwirt aus Messen war bis 2013 solothurnischer Finanzdirektor und Präsident der Finanzdirektorenkonferenz. Er ist Mitglied im Publizistischen Ausschuss der AZ Medien.