Fahrländer

Die frauenlose Regierung droht

Dieter Egli dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach für die SP ins Wahlrennen steigen.

Dieter Egli dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach für die SP ins Wahlrennen steigen.

Hans Fahrländer über die Aargauer SP, die wohl Dieter Egli für die Regierungswahl im Herbst nominieren wird - und damit keine Frau.

Nun ist es also doch ein Mann. Die SP Aargau schickt Dieter Egli ins Regierungsratsrennen. Eine nachvollziehbare Nominierung, denn der Windischer ist eines der erfahrensten Pferde im roten Stall. Trotzdem. Irgendwo klafft da ein Widerspruch. Die SP hat zuletzt bei jeder Gelegenheit das Schreckgespenst einer frauenlosen Kantonsregierung an die Wand gemalt.

Nun ist sie selber am Zug und in bester Ausgangslage (es geht im Herbst um den SP-Sitz). Noch- Regierungsrat Urs Hofmann gab diese Woche zu Protokoll, seine Partei hätte keinesfalls zu wenig geeignete Kandidatinnen, mit vier von ihnen habe er gesprochen und sie motiviert, anzutreten. Doch drei der vier Frauen hätten aus persönlichen Überlegungen abgesagt.

Die Aarauer Stadträtin Franziska Graf war wohl einfach zu wenig bekannt. Corona hat in den letzten Wochen verhindert, dass sie an diesem Defizit arbeiten konnte. Doch die SP Aargau hat, Urs Hofmann bestätigt dies, bekannte, erfahrene Frauen. Warum stellten sie sich nicht zur Verfügung? Angst vor der Niederlage? Der SP-Anspruch ist ja unbestritten. Doch jetzt könnte es eng werden.

Die Grünen schicken wohl die Zofinger Stadträtin Christiane Guyer ins Rennen. Deren Empfehlungskarte lautet ähnlich wie jene von Franziska Graf: kantonsweit noch nicht so bekannt, im Grossen Rat noch keine dominierende Figur. Doch ihre Chancen steigen nun nach der SP-Nominierung. Am 18. Oktober erhalten wir eine Antwort auf die Frage: Ist für das Aargauer Volk (darunter 51 Prozent Frauen) eine frauenlose Regierung kein Problem?

Noch eine andere Personalie  gab diese Woche zu reden: Die BDP-Grossräte Maya Bally und Michael Notter wechseln zur CVP, ihre Partei beteiligt sich nicht an den Wahlen im Herbst. Eigentlich ist das nicht primär eine Personalie, sondern die Konkursanmeldung einer Partei. Während die andere Neugründung der Nuller-Jahre, die GLP, auf der grünen Welle gerade Siege einfährt, scheint die «Widmer-Schlumpf-Partei», 2008 als Abspaltung der SVP aus der Taufe gehoben, am Ende zu sein. Vermutlich lautet die Diagnose: Es gibt in der rechten Mitte des bestehenden Partei- gefüges schlicht zu wenig Spielplätze, auf welchen eine neue Partei genügend Alleinstellungsmerkmale entwickeln könnte. Persönlich bedauere ich das Verschwinden der BDP.

Feedback an: hans.fahrlaender(ad)chmedia.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1