Kommentar

Novartis-Stellenkarussell: die brutale Logik des Kapitalismus

Novartis steht in Basel vor einem grösseren Umbau. (Archiv)

Novartis steht in Basel vor einem grösseren Umbau. (Archiv)

Novartis streicht 500 Arbeitsplätze in der Region Basel. Zwar baut der Pharmakonzern gleichzeitig 350 neue «Hightech-Positionen» auf, wie es das Unternehmen nennt. Für die Nordwestschweiz mag dies tröstlich sein, für die Betroffenen ist es dies nicht. Ihnen stehen nun bange Monate bevor. Sie wissen nicht, ob sie innerhalb oder ausserhalb des Unternehmens eine neue Stelle finden werden oder sich allenfalls frühpensionieren lassen können.

Wie bereits 2014 streicht und verlagert Novartis auch diesmal Routine-Jobs, die in Billiglohnländern wie Indien weit weniger kosten. Der Pharmakonzern macht damit das, was viele Industriefirmen nicht zuletzt schon länger tun. Wertschöpfungsintensive Arbeitsplätze bleiben hier oder werden gar ausgebaut, niedrig qualifizierte Angestellte haben dagegen das Nachsehen.

Viele – insbesondere kleinere – Industriefirmen, verlagern Jobs ins Ausland, weil sie wegen des starken Frankens um ihre Existenz bangen. Novartis dagegen ist trotz der momentanen Wachstumsflaute ein hochprofitables Unternehmen.
Der Konzern folgt damit – wie viele andere auch – schlicht den brutalen Regeln der Globalisierung und des Kapitalismus. Schliesslich drängen die Aktionäre auf einen steigenden Aktienkurs und eine höhere Dividende. Und auch das Management hat den Anreiz, das Optimum aus dem Unternehmen herauszuholen, um den eigenen Lohn zu steigern.

Für die Mitarbeiter, auch jene, die ihre Stelle behalten können, bleibt die Erkenntnis, dass die nächste Abbaurunde auch sie treffen kann. Es ist daher kein Wunder, dass die Angst um den eigenen Job trotz tiefer Arbeitslosigkeit an dritter Stelle des Sorgenbarometers rangiert. Nur weil heute jemand die nötigen Qualifikationen und Fähigkeiten mitbringt, muss das nicht heissen, dass diese auch noch in fünf oder zehn Jahren gefragt sind. Sich stetig weiterzubilden
mag helfen, die eigene Arbeitsplatzsicherheit zu erhöhen. Eine Garantie ist aber auch dies leider nicht.

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