Kommentar

Die App ist kein Wundermittel: Denn wer stellt sich schon selber gerne freiwillig unter Quarantäne

Gegen die Ausbreitung des Coronavirus hilfreich, aber aus Datenschutzgründen umstritten: Corona-Tracing-Apps.

Gegen die Ausbreitung des Coronavirus hilfreich, aber aus Datenschutzgründen umstritten: Corona-Tracing-Apps.

Es läuft gerade ganz gut im Kampf gegen das Coronavirus. Die Fallzahlen sind tief, trotz der Lockerungen der vergangenen Wochen. Die Schweiz scheint Corona tatsächlich zu können – so, wie Bundesrat Berset das formulierte. Und seit gestern ist auch die flächendeckende Einführung der Swiss-Covid-App einen Schritt nähergerückt. Die lang erwartete, viel diskutierte Anwendung befindet sich nun in der Pilotphase, und wenn alles gut läuft, steht sie schon bald allen im Land zur Verfügung.

Allerdings: Wunder sollte man von ihr keine erwarten. Es ist schön und gut, wenn 60 Prozent der Bevölkerung ihre Absicht bekunden, die App installieren zu wollen. Ob die Leute das dann auch tun, steht auf einem anderen Blatt. Und dann hat ja immer noch jede und jeder – richtigerweise – die Wahl, was er nach der Meldung eines gefährlichen Kontakts machen will. Längst nicht allen wird die Entscheidung, sich selbst unter Quarantäne zu stellen, leichtfallen. Das gilt umso mehr, wenn wichtige Fragen wie jene der Lohnfortzahlung nicht geklärt werden. Ob die App tatsächlich die kritische Nutzergrösse erreicht und ihre Wirkung dereinst entfaltet, steht vor diesem Hintergrund noch in den Sternen.

Um die Fallzahlen tiefzuhalten, ist ein anderes Instrument das wichtigere: das herkömmliche Contact-Tracing, welches in mühseliger Kleinarbeit in den Kantonen erledigt wird. Und das wird so bleiben, Swiss-Covid-App hin oder her.

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