Eishockey

Die Analyse zum Playoff-Auftakt: Spektakel nach dem Debakel

In allen Playoff-Serien ist Spannung garantiert.

In allen Playoff-Serien ist Spannung garantiert.

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft hat unlängst an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang keine gute Werbung betrieben für das hiesige Schaffen. Die Achtelfinal-Niederlage gegen den oft belächelten Erzrivalen Deutschland war äusserst schmerzhaft. Noch schmerzhafter war der folgende Steigerungslauf unseres nördlichen Nachbars bis in den Final. Deutschland hat in Südkorea das erreicht, wovon die Schweiz träumte: eine Medaille. So hatte es zumindest Nationaltrainer Patrick Fischer vor dem olympischen Turnier formuliert.

Die Aufarbeitung des Scheiterns ist immer noch in vollem Gange. Und wird die Verantwortlichen des Verbands wohl noch eine ganze Weile beschäftigen. Auch in eishockey-interessierten Kreisen wurden und werden die mageren Auftritte der Schweizer kontrovers diskutiert. Und dabei vor allem das Niveau unserer obersten Spielklasse, der National League, infrage gestellt. Tragen dort die ausländischen Spieler in den entscheidenden Phasen (Powerplay, Boxplay, Schlussphase, Verlängerung, Penaltyschiessen) zu viel Verantwortung und die Schweizer dafür zu wenig? Wird in unserer Spitzenliga zu hart gepfiffen und damit verhindert, dass sich die Akteure an die internationale Härte gewöhnen? Haben wir generell ein «Kultur-Problem» bei den Zuschauern, die bei jeder Berührung ihrer Lieblinge lauthals eine Strafe fordern? Oder wird in der Ausbildung unserer Nachwuchsspieler zu wenig Wert auf den Umgang mit Puck und Stock gelegt, dafür zu früh auf Taktik und Resultate?

Zum fünften Mal in Serie über 2 Millionen Zuschauer

Solche und viele andere Fragen harren vorerst einer Antwort. Fest steht, dass die National League in verschiedenen Bereichen Luft nach oben hat und vermutlich nicht so gut ist, wie man es hierzulande immer mal wieder glauben will. Aber es ist längstens nicht alles schlecht. Das Gesamtprodukt funktioniert. Die Zuschauer strömen immer noch scharenweise in die Stadien. Zum fünften Mal in Serie kamen in der Qualifikationsphase über 2 Millionen Fans zu den Spielen (6833 im Schnitt). Das zeigt, dass die Popularität der Sportart Eishockey in der Schweiz ungebrochen ist.

Auch während der am Samstag beginnenden Playoffs werden die Arenen wieder hervorragend ausgelastet sein. Das Debakel von Pyeongchang wird rasend schnell vom Spektakel auf den nationalen Eisflächen in den Hintergrund gedrängt. Dabei zeichnet sich das eine oder andere Playoff-Drama ab. Denn schon allein die Viertelfinal-Serien bieten genügend Potenzial für spannende Geschichten. Etwa jene des Titelverteidigers Bern, der die Qualifikation überlegen auf Platz eins abschloss, mit Servette Genf jedoch einem sehr unangenehmen Kontrahenten gegenübersteht. Zumal die Olympischen Spiele durchaus auch hier noch einen Nebeneffekt haben könnten. Im Team der Berner stehen 13 Akteure, die in Südkorea im Einsatz standen. Und fast alle kamen sie enttäuscht nach Hause. Die acht SCB-Schweizer sowieso, aber auch die drei Kanadier, die mit ihrem Team «nur» die Bronze-Medaille gewannen.

Wiederholen die ZSC Lions das Wunder von 2012?

Oder da wären die ZSC Lions, die im Verlauf der Qualifikation nie richtig in Schwung kamen und auf dem enttäuschenden siebten Platz landeten. Mit dem starken EV Zug wartet deshalb bereits im Viertelfinal eine Strafaufgabe. Es deutet viel darauf hin, dass die ambitionierten Zürcher zum dritten Mal in Serie bereits nach dem Viertelfinal die Segel streichen müssen. Aber auf der anderen Seite klammert man sich in Oerlikon auch daran, dass die Playoffs stets eine Bühne für überraschende Geschichten bieten. 2012 standen die ZSC Lions nach der Qualifikation ebenfalls auf Platz sieben – und wurden schliesslich doch noch Meister. Auch die Serien zwischen dem Überraschungsteam der Saison, dem EHC Biel, und Rekordmeister Davos sowie jene zwischen dem HC Lugano und Fribourg-Gottéron garantieren Spannung.

Geschichte dürfte in den am Samstag beginnenden Playoffs sowieso geschrieben werden. Erstmals werden die Playoff-Spiele nicht mehr mittels Penaltyschiessen entschieden. Es wird bis zum bitteren Ende auf das entscheidende Tor gewartet. Und sei es in der fünften Verlängerung morgens um 1 Uhr, wenn andere schon von olympischen Medaillen träumen.

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