Die Ärzte sind alles andere als begeistert von der Änderung des Ärztetarifs Tarmed, die Gesundheitsminister Alain Berset einführen will. Der Bundesrat hat Ende März entschieden, den Tarif anzupassen, nachdem sich die Ärzteschaft und die Krankenkassen nicht einigen konnten. Das Ziel: bei den Ärzten rund 700 Millionen Franken einzusparen.

Alles andere als überraschend protestieren nun die Ärzte lauthals. Der Aufschrei mag nachvollziehbar sein. Aber die Sparübung haben sich die Ärzte letztlich selber eingebrockt. Während Jahren hat man ihnen Zeit gelassen, sich mit den Krankenkassen auf einen zeitgemässen Ärztetarif zu einigen. Doch statt am Verhandlungstisch eine erträgliche Lösung hinzubekommen, haben sie sich einem Kompromiss verwehrt.

Auch er wäre vielleicht schmerzhaft gewesen, aber man hätte ihn zumindest mitgestalten können. Dass der Bundesrat nun die Geduld verloren und das Heft in die Hand genommen hat, daran tragen die Ärzte eine Mitschuld. Schliesslich müssen alle Player im Gesundheitswesen ihren Beitrag leisten, will man den stetigen Anstieg der Krankenkassenprämien endlich etwas dämpfen. Die Ärzte gehören wie die Spitäler oder die Pharmaindustrie zu den Kostentreibern und können sich nicht von Sparmassnahmen ausnehmen. In einem Punkt haben die Ärzte allerdings recht: Die Anpassung am Ärztetarif darf nicht dazu führen, dass Patienten wieder stationär behandelt werden statt ambulant.

Denn die Bemühungen in der Politik gehen genau in die andere Richtung. Ambulante Behandlungen sind nämlich meistens günstiger. Deshalb muss der Bundesrat hier über die Bücher, damit die anvisierten Einsparungen später nicht durch eine Verlagerung zurück zu stationären Behandlungen zunichtegemacht werden.