Steuern bezahlen gehört bekanntlich nicht zu unseren liebsten Beschäftigungen. Einige von uns versuchen, darum herumzukommen – sei es auf legale Weise oder aber auch mit anderen Mitteln. In den meisten Fällen wird solches erkannt und entsprechend korrigiert.

Das führt dann jeweils nicht nur zu finanziellen Folgen, sondern meist auch zu zusätzlicher, allerdings unbegründeter Staatsverdrossenheit. Der guten Ordnung halber sei gesagt, dass es sich um Einzelfälle handelt und der Lärm in den Leserbriefspalten und am Stammtisch kaum berechtigt ist.

Aber wie steht es mit uns allen, die wir den Verpflichtungen dem Staat gegenüber klaglos nachkommen? Kostet uns der Staat wirklich zu viel und wären gleiche oder gar bessere Leistungen günstiger zu haben?

«Selbstverständlich», sagen die einen; «vermutlich schon», andere und «gar nicht» wiederum jene, denen solche Diskussionen nicht die Mühe wert sind. Wie überall gibt es auch hier nicht die abschliessende Weisheit, sondern verschiedene Aspekte, denen ich in der Folge etwas nachgehen möchte.

Das einfachste Argument ist dann schnell zur Hand: Jetzt muss endlich abgebaut werden. Die vielen Däumchen drehenden und Kaffee trinkenden beim Staat Beschäftigten müssten endlich weg. Damit liessen sich Millionen sparen und die nicht mehr benutzten Büros könnten erst noch weitervermietet werden. Hier ist dann meistens das Ende des Lateins und Fragen nach dem Wie und Wo bleiben in aller Regel unbeantwortet.

Mit Verlaub, der Staat kann tatsächlich Personal einsparen. Dabei kann und darf das Pferd aber nicht am Schwanze aufgezäumt werden. Wer Personal und Kosten einsparen will, der muss zuerst staatliche Aufgaben abbauen. Hier wird es dann schon schwieriger. Zwar sind einige wohlfeile Ratschläge rasch zur Hand.

Das Personal auf dem Steueramt: viel zu viel. Die sollen endlich weniger pingelig arbeiten und nicht ständig Spesen und ähnliche Bagatellen kontrollieren. Die Bürgerin und der Bürger würden es schon richtig machen und schliesslich habe der Staat ihnen zu vertrauen. So weit, so gut. Nun, meine frühere berufliche Erfahrung kann dies nicht in jedem Fall unterstützen.

Dann die Polizei, die soll endlich die kriminellen Ausländer fassen und weniger Geschwindigkeitskontrollen vornehmen. Diese seien sowieso nur da, um die finanzielle Not des Kantons zu lindern. Allerdings: Gibt es Unfälle wegen übersetzter Geschwindigkeit oder gar wegen Rasens, tönt es sofort wieder anders.

Solche Beispiele können zur Genüge angeführt werden. Ganz zu schweigen vom Gesundheitswesen: Hier stehen die massiven jährlichen Kostensteigerungen an der Spitze des Sorgenbarometers der Leute. Sind wir aber einmal krank, so wollen wir alle die bestmögliche Behandlung und Betreuung.

All dies soll nicht etwa den Eindruck erwecken, ich würde die Auffassung vertreten, dass nicht jeder öffentliche Franken zwei- oder gar dreimal umgedreht werden muss, bevor er ausgegeben wird. Im Gegenteil. Es bestehen immer wieder Sparmöglichkeiten, die ausgeschöpft werden müssen. Und oft macht erst die finanzielle Not erfinderisch und führt nicht selten zu erstaunlichen Resultaten.

Aber machen wir uns auch hier nichts vor. Vor rund zwanzig Jahren begann die Privatisierungswelle durch das Land zu rollen. Wie hiess es damals? Man solle endlich die Kernaufgaben der öffentlichen Hand definieren und den Rest der Privatwirtschaft zur Erledigung überlassen. Damit würden Kosten gespart und massive Effizienzgewinne erzielt.

In der Zwischenzeit hat Ernüchterung Platz ergriffen. Schon aus dem einfachen Grund, weil niemand eigenverantwortlich schlechte und kaum kalkulierbare Risiken übernehmen will. Wenn der Staat keine Garantiestellung übernimmt, ist es meistens auch um die unternehmerische Freude schlecht bestellt.

Beispiele, namentlich auch im öffentlichen Spitalwesen, mögen für andere stehen. Das führt nahtlos zur Einsicht, dass die schlechten Risiken in vielen Bereichen des täglichen Lebens auch in Zukunft der öffentlichen Hand verbleiben werden. Und damit zur wenig populären Einsicht, dass solches auch in Zukunft massive Mittel, sprich Steuerfranken beanspruchen wird.

Die Aufgabe der Politik ist es, solches den Steuerzahlenden immer wieder in Erinnerung zu rufen. Und den politisch Verantwortlichen die wenig spektakuläre Pflicht, Jahr für Jahr dafür zu sorgen, dass auch wenig populäre Massnahmen beschlossen und umgesetzt werden.