Jetzt ist es also passiert: Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) zieht in drei weitere Landtage ein – und zwar überall mit zweistelligen Ergebnissen. Ihre Vertreter sitzen nun in 8 von 16 Landesparlamenten plus im Europaparlament.

Unser nördliches Nachbarland rückt nach rechts, Alarmstimmung kommt auf: Wird Deutschland rechtsradikal? Kehren die Zustände der Weimarer Republik zurück, an deren Ende die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten stand? Gemach! Der gestrige «Super-Wahlsonntag» hat Deutschland keineswegs in den Grundfesten erschüttert.

Natürlich: Für Frauke Petry und ihre Partei ist es ein triumphaler Erfolg. Aber weder die CDU noch die SPD und schon gar nicht die Grünen sind bereit, mit der AfD eine Koalition einzugehen. Gewiss: Die AfD holt ihre Stimmen in rechtsnationalen, rechtskonservativen und – vor allem im Osten des Landes – auch in rassistisch gesinnten Kreisen.

Sie wird aber auch von CDU-Anhängern gewählt, die ihre politische Heimat verloren haben. Denn Angela Merkel hat ihre Partei nicht nur in die Mitte, sondern noch weiter nach links, in die Nähe der SPD, gerückt. Selbstverständlich: Die AfD profitiert von der Unzufriedenheit vieler Deutscher mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Sie nimmt das Unbehagen der Bevölkerung auf, schürt aber auch deren Ängste. Das dürfte vor allem zahlreiche Nichtwähler an die Urnen getrieben haben.

Gegen Flüchtlinge und Ausländer, gegen die EU und gegen das politische Establishment: Das ist die Mischung, aus der der Erfolg der AfD gemacht ist. Kommt einem das bekannt vor? Ja.

Der Front National in Frankreich, die FPÖ in Österreich, die Ukip in Grossbritannien und auch die SVP politisieren seit Jahren mit ähnlichen Inhalten. Das Wählerverhalten in Deutschland liegt im europäischen Trend: Europa rutscht nach rechts. Und in Deutschland ist die
Demokratie gefestigt genug, um eine Partei wie die AfD auszuhalten.