WEF 2017

Der vergessene Mittelstand

Immer wieder ist am WEF die Rede vom vergessenen Mittelstand.

Immer wieder ist am WEF die Rede vom vergessenen Mittelstand.

Die bevorstehende Amtsübernahme von Donald Trump ist am Weltwirtschaftsforum das dominierende Thema. In Davos spürt man, wie sehr die Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft verunsichert sind. Fieberhaft suchen sie Antworten auf das Phänomen Trump, und immer wieder fällt dasselbe Wort: «Middle Class». Die wirtschaftlichen Probleme des Mittelstandes seien die Ursache für den «Aufstand».

Am deutlichsten formulierte es der Harvard-Professor Lawrence Summers. «Der Mittelstand fühlt sich von den Regierungen vergessen. Die Politiker, so der Eindruck, kümmern sich um Entwicklungsländer, um Einwanderer, um Diskriminierte und Minderheiten aller Art – aber nicht um die Mittelschicht.» Die Reichsten hätten keine Hilfe nötig, die Ärmsten würden vom Staat unterstützt, nur für den Durchschnittsbürger interessiere sich die Politik nicht. Möglich, dass diese Leute Trump zum Präsidenten gemacht haben. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber inzwischen in der Davoser Filterblase angekommen und könnte allein dadurch eine Wirkung entfalten. Sie dürfte auch auf die politischen Entwicklungen in Grossbritannien, Frankreich und Deutschland anwendbar sein.

Die Schweiz kam in den Diskussionen nur einmal vor – als Gegenbeispiel: Hier ist der Mittelstand stabil. Doch die Probleme in anderen hochentwickelten Ländern sind eine Warnung: Auch bei uns steigt die Belastung der Mittelschicht, etwa wegen Krankenkassenprämien. Zugleich wird der Arbeitsmarkt härter, auch infolge der Zuwanderung. Unsere Politiker müssen aufpassen, dass keine amerikanischen Verhältnisse entstehen.

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