Einer der Gründe für die verfahrene Lage ist, dass sich zwei Dinge zu einer unheilvollen Kombination ergänzen: Die destabilisierenden Auswirkungen des Konflikts im Nachbarstaat Syrien und ein Scheuklappendenken in der türkischen Führung, das Kursänderungen und Kompromisse erschwert.

Die Türkei ist mit ihrer 900 Kilometer langen Landgrenze zu Syrien besonders von den Folgen des bald fünfjährigen Konfliktes beim Nachbarn betroffen. Aus Sicht Ankaras liegt der Schlüssel zur Lösung in einer Entmachtung von Präsident Baschar al-Assad; doch dieses Vorhaben ist gescheitert.

Stattdessen sieht sich die Türkei zwei Herausforderungen gegenüber, die aus Sicht der Regierung die nationale Sicherheit berühren: Die Terrormiliz des IS und syrische Kurden, die mit der verbotenen PKK verbündet sind, haben sich im Grenzgebiet zur Türkei etabliert.

Beide Gruppen verfolgen das Ziel, in Syrien auf Dauer staatsähnliche Gebilde zu schaffen. Und sowohl Dschihadisten als auch militante Kurden begehen seit dem Sommer blutige Anschläge auf türkischem Boden.

Der Kurdenkonflikt in der Türkei ist nicht zuletzt wegen des Syrien-Krieges wieder aufgeflammt.

Das wären schon genügend Probleme. Vergrössert werden sie durch die Haltung von Präsident Recep Tayyip Erdogan und Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Sie schliessen die Rückkehr zu Verhandlungen aus und setzen auf einen militärischen Sieg über die PKK und ihre Unterorganisationen sowohl in der Türkei selbst als auch im Norden Syriens. Ausserdem greift die Türkei die PKK-Lager im Irak an. Ankara führt also gewissermassen einen Drei-
frontenkrieg gegen die Kurdenrebellen.

Erdogans Kurs ist auf Dauer aber zum Scheitern verurteilt: Die Türkei konnte die PKK in mehr als 30 Jahren Krieg nicht besiegen und wird es auch jetzt nicht schaffen. Nur eine politische Lösung kann den Kurdenkonflikt wirklich beenden.

Leider sieht es nicht so aus, als wolle Erdogan dies versuchen.