Kommentar

Der Tierschutz ist ein Haifischbecken

Der Tierschutzskandal von Hefenhofen rief Demonstranten auf den Plan.

Der Tierschutzskandal von Hefenhofen rief Demonstranten auf den Plan.

Das «Nein» zum Ozeanium passt zum gesellschaftlichen Wandel: Tierschutz liegt im Trend. Der Kommentar.

Wer kennt sie nicht, die Bilder von Massentiertransporten, verwahrlosten Strassenhunden und leidenden Laborratten. Sie treffen jeden halbwegs mitfühlenden Menschen mitten ins Herz. Dass Tierquälereien immer und überall gezeigt werden dürfen, erklärt unter anderem, warum wir täglich gefühlte 100 Mal mehr verletzte und traurig guckende Tiere zu Gesicht bekommen als leidende Kinder oder vergewaltigte Frauen.

Diese mächtigen Bilder – wie auch den Tierschutz als Bewegung – gibt es schon lange. Verändert hat sich der Umstand, dass die sozialen Medien militanten Tierschützern fast grenzenlose Möglichkeiten bieten, mittels Empörungsbewirtschaftung auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Zerrbilder der Realität inklusive.

Solange Tiere deshalb besser gehalten und behandelt werden, ist dagegen wenig einzuwenden. Problematisch ist hingegen der grösser werdende Kreis Neunmalkluger, die sich als alleinige moralische Instanz im Oberthema Tier sehen. Die Auswüchse sind bekannt: Hippe Städter erklären denen auf dem Land, wie sie ihre Tiere zu halten haben, und warum sie diese nicht essen sollten. Immer mehr glauben zu wissen, warum Tiere im Zoo, im Zirkus und Aquarium Höllenqualen leiden. Plötzlich gelten Tierfachleute, die sich oft über Jahrzehnte um das Wohl dieser Tiere kümmerten, als Tierquäler. Spätestens hier geht die Rechnung nicht mehr auf: Misstrauisch muss machen, wenn mit dem Finger aggressiv auf andere gezeigt wird. Und wenn Gefühle von Fischen und Einzellern plötzlich mehr gelten als die Interessen von Menschen. Dann ist die Grenze vom Tierschutz zum Tierwahn überschritten.

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