Kommentar

Der Streit um überfüllte und fast leere Züge

Der Bahnhof Lenzburg während der Zugsankunft der Pendelzüge in der feierabendlichen Rush-Hour. Die Menschenmenge drängt sich durch die schmalen Perrons.

Der Bahnhof Lenzburg während der Zugsankunft der Pendelzüge in der feierabendlichen Rush-Hour. Die Menschenmenge drängt sich durch die schmalen Perrons.

Im Kanton Aargau sind nur 5 von 134 Bus- und Bahnlinien rentabel. Der Kanton sieht aber trotz tiefer Kostendeckung keinen Grund, Verbindungen des öffentlichen Verkehrs zu streichen.

In den letzten Monaten und Jahren wurde in der Schweiz und im Aargau oft über überfüllte Züge diskutiert. Wenn es um die Frage der Zuwanderung geht, wie zum nächsten Mal am 17. Mai bei der Begrenzungsinitiative der SVP, sind vollgestopfte Waggons, zu wenig Platz an Bahnhöfen und fehlende Sitzplätze häufig gehörte Argumente der Befürworter.

Doch es gibt auch die andere Seite: Fast leere Züge und Busse, die zu Randzeiten in Randregionen des Kantons verkehren. Erstmals veröffentlichte Zahlen des Bundesamtes für Verkehr zeigen, dass gerade solche Kurse stark defizitär sind. Der Kostendeckungsgrad liegt unter 20 Prozent – betrachtet man nur diese Zahl, so müsste die Linie eingestellt werden.

Dass eine ÖV-Linie im Aargau aufgehoben wird, ist unwahrscheinlich. Auch wenn sich der Bund aus der Finanzierung einzelner Kurse zurückziehen sollte, dürfte der Kanton, oder die Gemeinden, die Kosten übernehmen. Es lässt sich darüber streiten, ob das finanzpolitisch sinnvoll ist. Regionalpolitisch ist es jedoch Realität, das haben die heftigen Debatten über die Standorte der Berufsschulen gezeigt.

Grossräte aus Randregionen setzen sich gegen den Abbau in ihren Gemeinden ein. Beim öffentlichen Verkehr könnte sich eine ungewöhnliche Konstellation ergeben: Dieselben SVP-Vertreter, die bei ihrer Initiative gegen volle Züge und Busse wettern, werden sich dafür einsetzen, dass fast leere Fahrzeuge und Waggons weiter verkehren.

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