Sprachriff

Der stete Wandel der Spassbremse

"Querulant" im schönen Industrie-Zeitalter - und wie sagt man heute? Foto: key

"Querulant" im schönen Industrie-Zeitalter - und wie sagt man heute? Foto: key

Der Typ «Sand im Getriebe» ist immer gleich. Die Typenbezeichnung aber ändert sich.

An der Sitzung verzierte eine Bereichsleiterin (mittleres Kader) den Vortrag des Chefs mit einer ironischen Girlande. Nach der Sitzung nahm der Chef die Bereichsleiterin zur Seite und sagte: «Wir stehen mit unserem Projekt vor einem Mega-Challenge. Da mag es, fürchte ich, keine korrosiven Spielchen leiden.»

Das ist bewundernswert. Als ich jung gewesen war, wurde ich bei Gelegenheit noch zur Seite genommen für den «absolut gut gemeinten» Ratschlag, nicht «zum Sandkorn im Getriebe» zu werden. Eine Metapher, die ans gute alte Industriezeitalter erinnerte, als Charlie Chaplin mitsamt Schraubenschlüssel in die Treibräder und Förderbänder der Fabrik gezogen wurde und als eine Art Kriegszitterer, ansonsten aber heil, «unten» wieder heraustorkelte.

Das Mechanische im Bild hat sich also gewandelt in unseren «Modern Times» – zum Chemischen. «Korrosiv» heisst ja oxidierend; wer sich «korrosiv» verhält, trägt dazu bei, Teile des geölten Ganzen rosten zu lassen. Manager, die agil stets «neue Herausforderungen» finden, müssen offenbar auch über einige Sprachfantasie verfügen.

Nun dreht die Zeitachse wie geschmiert in neuen Lagern weiter – digitalen. Wie sollen wir die Spassbremse, den Querulanten im Betrieb jetzt nennen? Prozess-Disruptor.

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