Einbürgerung

Der Schweizer Pass ist nicht das höchste aller Ziele

Das Interesse am Schweizer Pass sinkt.

Das Interesse am Schweizer Pass sinkt.

Um bis zu 30 Prozent ist die Zahl der Einbürgerungsgesuche im laufenden Jahr gesunken. Die Behörden sprechen von einer «Normalisierung». Dies, nachdem im Vorjahr wegen einer anstehenden Gesetzesverschärfung überdurchschnittlich viele Gesuche eingegangen waren. Allerdings interessierte sich selbst im Ausnahmejahr 2017 nur eine Minderheit der Ausländer für den roten Pass: Fast eine Million erfüllte zumindest die Wohnsitzerfordernisse des Bundes, aber nur etwa 45'000 Personen liessen sich einbürgern. Die Einbürgerung ist ein Verfahren, das nicht nur kostspielig, sondern auch ziemlich willkürlich sein kann. Das zeigte der Fall Funda Yilmaz: Trotz perfektem Schweizerdeutsch und einem tadellosen Staatskundetest verweigerte ihr die Aargauer Gemeinde Buchs im ersten Anlauf das Schweizer Bürgerrecht.

Seit Anfang Jahr müssen einbürgerungswillige Personen zusätzliche Anforderungen erfüllen. Insbesondere die Integrationskriterien wurden verschärft. Von der «Masseneinbürgerung», vor der die Rechte beständig warnt, ist die Schweiz mit den neuen Hürden noch weiter entfernt als zuvor. Zumal die Ausländer der dritten Generation wenig Interesse an der erleichterten Einbürgerung zeigen, die ihnen seit diesem Jahr offensteht: Weniger als 1000 Gesuche sind bislang beim Bund eingetroffen. Auch die «Terzos» wägen ganz rational ab, ob das Bürgerrecht und die damit verbundene politische Mitsprache den Aufwand rechtfertigen, der auch beim erleichterten Verfahren beträchtlich ist. Vielebeantworten diese Frage mit Nein. Der rote Pass ist nicht das höchste aller Ziele.

inland@chmedia.ch

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